FranScorpia – Abschnitt 5: Zwischen Zugspitze und Inntal

PRÄAMBEL: Hier folgen nun weiterhin Tag für Tag die Etappen-Beschreibungen dieses Abschnitts inklusive Pausentag. Recht roh und im ersten Wurf, mehr Feinschliff ist nach einem langen und heißen Wandertag nicht drin. Ich benutze keine KI, weder für Korrektur, noch für sonst etwas, aus Überzeugung. Am Pausentag gibt es dann eine Politur des gesamten Abschnitts. Finale Korrektur folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Etappe 20: Ehrwald – Gaistalalm in der Leutasch, 11 km

Mit diesem neuen Abschnitt bewege ich mich plötzlich wieder in vertrautem Terrain. Und das auch noch viel früher als gedacht. Bin jetzt auf der Alm und da ist das WLAN lahm, Bilder gibt es also später, wenn ich wieder im Tal bin …

Aber jetzt mal hübsch der Reihe nach:

Aufbruch war heute Morgen also in Ehrwald, am Fuße des Zugspitze-Massivs. Von der Tiroler Seite sieht diese Formation eindrucksvoll aus. Man merkt die Haupturlaubszeit, da schwirrelt überall eine Unruhe, viele Menschen am Weg, viele Sprachen an mein Ohr und ein bisschen zu viele Eindrücke für mein reduziertes Sein – und zu viel Hitze … noch … Morgen soll sich das ja ändern.

Also bin ich aufgebrochen, um mir königinnengleich die ersten 400 Höhenmeter per Seilbahn zu schenken. Meine Tour, meine Regeln. Ich weiß, wo meine Konditions-Grenzen sind und vor allem weiß ich, wo meine Freude- Grenzen sind. Also ab in die Touristen-Schleuse und rauf mit der  Ehrwalder Almbahn. Auf der Kundentoilette strahlt mich dieses fesche Konterfei an und ich freue mich kurz, ob er mich, als Weibi hier, zum Im-Stehen-Pieseln animieren soll?

Die Aussicht ist wirklich atemberaubend schön. Der Menschenstrom, der sich hier die unterschiedlichen Bergpassagen hinaufwälzt, den kann ich gut aushalten. Zum Einen bin ich ja selbst so eine kleine Touristen-Walze. Langstrecke hin oder her: vor dem Berg sind wir alle gleich: Gäste.

Zum anderen hatte ich nach meiner kleinen Bären-Panik in der vergangenen Woche – ich berichtete im Pausentags-Resümee von Ofterschwang – da hatte ich also genau vor dieser heutigen Etappe leichte Sorge, ob ich da womöglich franzenseelenallein über den Sattel ins Leutascher Tal steigen darf. Und dem war ja nun mal überhaupt nicht so.

Auf dem ersten Abschnitt waren viele knackige Wandersleute auf den Wegen zur Steinernen Törl oder zur Rotmoosalm oder zum Coburger Haus. Ab der Pestkapelle war ich dann die Einzige – auf zwei Beinen. Irre viele Radfahrerinnen und Bikebenutzer hier heroben, Wahnsinn. Alle Altersstufen, alle Fitness-Klassen und alle E-Motoren-Stärken.

Offen und unumwunden, möchte sagen unverhohlen, gebe ich es zu: das verstehe ich nicht. Gar nicht. Überhaupt gar nicht.

Ich meinerseits gehe hier in die Berge, weil ich diese einzigartige Schönheit genießen will: Pflanzen, wie sie nur hier wachsen, Gesteinsformationen, die mich an mein kleines Menschsein gemahnen und dass diese wundervolle Schöpfung so viel mehr ist, als sich ein Menschenhirn allumfassend vorstellen kann, geschweige denn reparieren kann, wenn er dann mal all seine Stink-Bomben abgelegt hat.

Ich gehe also, um zu schauen, um zu riechen, um zu staunen, manchmal auch, um zu weinen, weil es mein Gemüth so rührt. Und dafür brauche ich Zeit. Zeit um anzuhalten, innezuhalten, mich umzuschauen, auch mal ein paar Schritte zurückgehen.

Versus Zweiradfahrende: Stöhnend in die Pedale treten und Obacht geben, dass auf Schotter rechtzeitig in den passenden Gang gewechselt wird, um sich nicht zu maulen.Außerdem hören sie nichts von den Kuhglocken, nichts vom Greifvogelruf, denn sie müssen sich ja recht lautstark über  Abstandsmeter und Geschwindigkeit anbrüllen, zum Beispiel heute: über Fußball. Was für eine grobschlächtige Konversation, bleibt doch bitte unten und brüllt euch da an und lasst uns hier heroben die heilige Ruh.

Sogar die Kuhherden hüpfen aufgescheucht zur Seite, wenn sich 7 Radler an zwei tosenden Bagger-Fahrzeugen vorbei schlängeln. Was ein Glück, dass ich das mit den Kühen wieder entspannt schaffe.

Genug gemotzt, Frau Dannheim. Der Vorteil dieser vielen Mensch hier ist, dass ich mir ganz sicher keine Gedanken machen muss, ob ich ein Glöckchen zur Bären-Vorwarnung, oder eine Pfeife zur Bären-Abwehr oder einfach nur weiter Lieder singend hier sicher zur nächsten Alm komme.

Da ist noch nicht einmal das Mittagsläuten zu hören gewesen und ich erreiche die Tilfuss-Alm.

Quasi die letzten Meter Neuland dieser Etappe, um noch mal Bezug auf das vertraute Terrain vom Anfang zu nehmen. 

Hier gibt es eine köstliche Speckknödelsuppe, ein Johannisbeer-Schorle und ein ausgiebiges und nettes Gespräch mit einem Radler aus der. Gegend von Augsburg. Seit über 60 Jahren ist er hier in den Bergen unterwegs. Wir fachsimpeln ein wenig über gegangene Strecken und besuchte Orte und haben beide angemessen Respekt vor dem Tun des anderen. Das bringt mich in meiner vorhin angeheizten Vorurteils-Launerei wieder hübsch auf Normal-Null. Gut, wenn wir Menschen miteinander reden, einfach nur freundlich, aufgeschlossen, neugierig und respektvoll miteinander reden. Ist das wirklich so schwer?

Hinter der Tilfuss-Alm liegt das Ganghofer Haus, also das Haus, das der Schrufsteller Ludwig Ganghofer mit samt der Jagd einstens gepachtet hatte, ausgebaut hatte, um viele Gäste empfangen zu können, um in der Abgeschiedenheit der Berge schreiben zu können. Ich glaube, ich werde mir bei nächster Gelegenheit ein Ganghofer-Werk zu Gemüte führen. 

Heute lässt sich das Haus leider nicht besuchen, es gehört natürlich dem Jagdherrn, so heißt das. So geht das.

Und ich gehe weiter, durch einen zauberhaften Waldabschnitt – nur für Wanderer und Kühe – und erkenne endlich die Pflanze des Tages, die seit heute Morgen schon immer wieder auffällig an den Fichten prangt: die Bartflechte:

So, und jetzt kommen wir endlich ins vertraute Terrain: die Gaistalalm. Hier war ich früher oft mit meiner Familie, mit meinen Kindern. Die namensähnlichen Tierleib hüpfen hier meckernd über die Wiese und auf der großen Terrasse ist jeder Schattenplatz besetzt.

Ich setze mich also erst mal in Ruhe hinters Haus. Ich hab ja keine Eile. Ich darf hier über Nacht bleiben. Ich darf hier die liebe lange Zeit den Schwalben beim Kunstflug-Füttern zusehen, dem Schmetterling auf meinem Oberarm, den italienischen Jungs, die ihre Mutter zur Weißglut bringen – sie hat aber auch eine formidable Schimpfparade in petto – in italiano.

Ich bin jetzt über drei Wochen unterwegs, mit der heutigen Etappe 20 habe etwa 2/3 der Tour bereits geschafft, gemacht, genossen.Bin froh und dankbar, diese Idee entwickelt zu haben, gestartet zu sein und es schon bis hierher gebracht zu haben. So lange hat es jetzt gebraucht, bis mein Zeit-Gefühl und mein Franz-Gefühl wieder zusammen ticken:

Weniger schaffen, mehr schauen 

Weniger hetzen, mehr Vertrauen

Öfter atmen und Abstand nehmen

Vom Trubel der Zeit

So lässt es sich …

Diesen spontanen Sinnspruch werde ich zu einem späteren Zeitpunkt vervollständigen.

Jetzt bekomme ich erst mal eine kleine Hütteneinweisung vom freundlichen Hüttenwirt Nikolai und beziehe als erste das Neuner-Lage. Das bedeutet: Freie Platzwahl, hurra, Ab ans Fenster.

Und jetzt bleibt mir der liebe lange Nachmittag und Abend, zu schreiben, zu schwadronieren, Menschen zu schauen, Ziegen zu bewundern und mich daran zu erinnern, was ich mit meinen Lieben hier heroben schon für eine schöne Zeit hatte.

Etappe 21: Gaistalalm – Mittenwald, 27 km

Das war heute die bisher längste Strecke mit 27 Kilometern und ic bin total begeistert, dass exakt meine heutige Strecke auf der mehrfach gesehenen Landkarte abgebildet ist. Voile: Mitte links außen gaistalalm, Mitte rechts außen: Mittenwald. Immer entlang an der Leutascher Ache. Ach nee, wie schee!

Es hatte in der Nacht lange und ausdauernd gewittert und geregnet und ich hatte wirklich das Gefühl, in die Nacht gespült zu werden. War schon als erste oben im Schlafwagen und zum Glück waren wir – wahrscheinlich wegen Schlechtwetter-Absagen – nur zu viert im Neuner-Lager: zwei junge Kerle auf 4 Tage Kletter-Tour und eine niederländische Wanderführerin, deren Wandergruppe in den nahe gelegenen Tilfuss-Alm untergebracht war.

Um halb 7 haben wir uns also stille aus den betten geschält.Kurz danach habe ich auf der Terrasse diese unbeschreiblich schöne und erhebende Morgen-Idylle genossen.

Ich wollte gerade anfangen, in mein Tagebuch zu schreiben, dass genau diese Momente zu den stillen und erhabenen Perlen dieser Tour zählen … und just in dem Moment schaltet einer im Wirtsraum wieder das Radio an. Der Schlagersender des österreichischen Rundfunks. Als war es mit der Idylle. Gestern bereits habe ich über einige Stunden auf dieser sonst wundervollen Terrasse, diverse Studien zur Unterschiedlichkeit im Schlager-genre studieren dürfen. Da gibt es den Volksmusik-Schlager, den Party-Schlager, den Romantik-Schlager, Wahnsinn!

Selten habe ich in dieser Dichte die Worte Herz und Schmerz gehört, aber mein absoluter Favorit ist „Der letzte Zug kommt immer an“ – das wirft Bilder in meinen Kopf, die ich eigentlich nicht will. Heute Morgen war also die erste Melodie-Zeile, die in mein sanftes Gemüt geschwappt ist „Bist du bereit?“ NEIN! Nicht dafür. Stopp. macht sie bitte aus, die kacke. Ich will Kuhglocken hören.

Das Frühstück ist lecker, die gesamte Belegschaft wirklich nett. Beim Aufbruch werde ich am Türchen schon von meinen drei Freunden erwartet.

Echt verblüffend, die laufen hier frei herum, also außerhalb des Zaunes. Plopp, sind sie mal da – und zisch: sind sie auch schon wieder fort. Schön war es auf der Gaistalalm.

Und es wird immer schöner, schließlich laufe ich heute auf dem Adlerweg und später auch noch auf dem Jakobs-Weg. Es ist ein besonderes geschenk, dass ich diese Leutascher Ache nun komplett von ihrem Beginn gestern, heute nun ganz hinunter bis nach Mittenwald gehen darf. Einige Abschnitte sind mir aus früheren Familien-Zeiten sehr vertraut, aber den ganzen Verlauf hatte ich so nicht parat.

Wunderbar – wieder dem Wasser zu folgen.

Es sind auch heute wieder viele Menschen am Weg, die meisten auf zwei Rädern.

Ich komme gut vorran und schon bald zeigen sich dunkle Wolkennüber meiner Ziel-Richtung. Es ist arg schlechtes Wetter für Nachmittag angekündigt und meine Strecke ist heute lang. So beschließe ich, mir eine neues Morivations-Spiel auszudenken und greife dafür in die ErfahrungsKiste aus der letzten Langstrecke von 2023: Das „War-wäre-wenn-Spiel“- Das hatte ich damals schon entworfen und heute geht es weiter: Was wäre, wenn genau heute der tag ist, an dem das Wetter genau hält, bis ich unten in Mittenwald bin?

Allein die Beschäftigung mit diversen positiv verlaufenden Ausgangs-Möglichkeiten beruhigt mein System.

Die Landschaft, das Flussbett der Leutascher Ache verändert sich: Oben ist es noch ein bereites Geröllbett, ähnlich wie die Isar oder am Lech, wo man halt den Gletscher-Abrieb noch gut ahnen kann.

Dann springt sie wild über grobe Stufen und spült sich durch einladende Pumpen.

In diese Gumpe bin ich zum Jahreswechsel 2016/2017 gehüpft – vor laufender Kamera – und habe damals meinen Ruf als Eisbaderin gesetzt. Habe damals ein Startnext-Projekt zur Finanzierung meines Romans „Minas Sommer“ recht erfolgreich mit Eiswasserbaden-Clips vorran getrieben. Das ist ganz schön lange her. Heute gehe ich einfach zügig weiter. Es ist ja auch nicht Winter.

Dann wir das Tal immer weiter und die Ache schlängelt sich agil über die Weiden und an den kleinen Ortschaften des Tals vorbei. Ich komme in Unterkirchen sogar an einer Janos-Kirche vorbei und kann mir einen Stempel holen.

Vor mir türmen sich schwarze Wolken auf, es kommt schon zum zweiten mal starker Wind in fuchtigen Böen daher. Aber irgendwie beruhigt es sich immer wieder – Was wäre wenn …

Nun wird es historisch spannend. Einige Zeugnisse diverser Kriege und Kämpfe liegen jetzt am Weg. Der Franzosensteig, die Ruine der Festung, und man spürt, dass das hier ein immer wieder schwer umkämpftes Gebiet zwischen Österreich und Bayern war, aber auch strategisch interessant für die Bayern und dass die Pest in der Zeit des 30-jähriben Krieges hier wirklich gewütet haben muss.

Dann kommt der letzte Abschnitt für den heute sonst recht gleichmäßig dahin ziehenden Abschnitt: Die Geisterklamm. Also das große Finale der Leutascher Ache, wenn sie sich durch eine zum teil hunderte von Metern tiefe Klamm mit Steilwänden wirft und auf eindrucksvollste Weise demonstriert, wozu Wasser in der Lage ist. Nämlich Stein zu formen.

Es ist arg viel los. Viele menschen wollen diese Attraktion bewundern. Das kann ich gut verstehen. Wofür ich überhaupt kein Verständnis habe ist, wenn ein junger niederländischer Bub mit rotem Kopf und drei riesigen Steinen sich an mir vor bedränget zur frei über dem Abgrund schwebenden schmalen Brücke hin, ich ihn anhält und sag, dass er hier nix runter werfen darf und er dann vom Jubel seiner Familie begleitet, diese drei Brocken in die Klamm hinunter donnert. Wer hat denn denen bitte ins Hirn gesch …?

Gerne verlasse ich den Zirkus durch den etwas ruhigeren Wasserfall-Steig hinunter nach Mittenwald – ich möchte nur kurz erwähnen: immer noch schwarze Wolken, immer noch trocken.

Interessante Infotafeln erweitern mein Wissen zu Eizeiten, Gletscherbildung und ähnlichem.

Dann stehe ich plötzlich unten auf einen riesigen Wiese, lauft den letzten Weg hinein nach Mittenwald und neben mir fließ ruhig und fast ein wenig steril die Ache in einem Kanal.

Du wilde Schönheit von hoch droben aus den Bergen was haben die Menschen dich hier unten nun in ein Beton-Korsett gezwängt.

Was wäre wenn …

Wie schön, dass ich hier in Mittenwald nun „Familien-Anschluss“ genießen darf. Zentrum dieser „ahnenlinien-mütterlicherseits-Wander-Idee“ mit Namen Schorpp, also ursprünglich „Skorpion“ – siehe Tour-Emblem – lebt hier: meine Mutter. Und der Gut Gatte ist mit dem Wohnmobil auch vor Ort. Das wird ein sehr schöner Abend im zünftigen Wirtshaus zum Stern.

Etappe 22: Scharnitz – Hallanger Haus, 19 km

Das war gestern Abend ein sehr schönes Familientreffen in Mittenwald. Um so sonderbarer war es dann, heute Früh wieder in meinen Wander-Modus zu schalten. Jetzt war ich von allein wieder sehr früh wach, also daran lag es nicht. Es war da wieder die Unruhe. Es gab halt wieder Bären-Nachrichten, in Tirol hat er ein Pferde gerissen – da gibt es leider nix schön zu reden.

Ich kenne mich und mein Gemüth auf dieser Tour inzwischen ja schon. Es ist etwas anfälliger geworden in den vergangenen Jahren. Anfällig für Sorge, Zweifel und manchmal auch nackte Angst. Ich weiß inzwischen aber auch, wie ich mich und meinen Franzhasen wieder auf Normal-Temperatur geregelt bekomme – und das ist ein tolles Geschenk dieser Tour.

Um halb acht ging es los – und ich hatte den großen Luxus, dass ich von meiner Mama, die eine geborene Schorpp ist, deren Linie ich also gerade verfolge, dass sie mich mit dem Auto von Mittenwald direkt bis zum Einstieg des Isar-Ursprungsweges gefahren hat. Ein schöner Anker und Reise-Segen, außerdem ist die gute Mutter eine kühne, die mich soweit ins Tal reinfährt, wie es mein Gewissen und ihre Fürsoge zulassen – herrlich: 2 km gespart, danke Mama.

Wir überholen motorisiert direkt einen fußläufigen Wandersmann und ich bekomme hast ein schlechtes Gewissen.

Ich habe direkt gesehen, dass noch einige am Weg sind und sein werden, dass auch das Forstauto und diverse Handwerks-Wägen auf der Schotterstraße vorbeikommen, also kein Grund für Alleingeherinnen-Sorgen.

Und dann kann das Schwärmen auch schon los gehen:

Was ist die Isar schön, auch hier in ihrer Kinderstube. Einige weitere Abschnitte sind mir vertraut, so habe ich auf der franzi geht dann Heim Tour die Strecke von Lenggries und Bad Tölz, voll Bewunderung von dieser Eiszeit-Königin geschrieben.

Der Weg steigt gemächlich an und entfernt sich erst mal von der Isar. Da holt er mich schon wieder ein, der Wandersmann von eben. Wir kommen kurz ins Gespräch, tauschen uns über unsere heutigen Strecken aus. Da kommt mein finales Reiseziel Meran ins Spiel, und dass ich der Mutterlinie meiner Vorfahren nachgehe, weil eben jener Kunibert der Schorppe etwa 1340 in Tirol bei Meran seinen Weiberg verkauft hat. Darauf sagt der Wandersmann mit herrlich pfälzischem Dialekt: „Der Depp!“

Ich muss so lachen. Recht hat er. Was wäre, wenn ich heute, schlappe 700 Jahre später, fröhliche Bewirtschafterin eines Weinberges in Südtirol wäre? Ok, ich heiße nicht Schorpp, aber das hätten wir auch noch irgendwie geregelt.

Ich lasse den Wandersmann alleine voran gehen, er ist deutlich schneller als ich. Am Hallangerhaus, unser beider Tagesziel werden wir uns wiedersehen.

Pflanze des Tages ist der Quendel, also der wilde Thymian:

Ich habe spontan die Idee, mir aus den kommenden – legal pflückbaren Kräutern außerhalb des Schutzgebietes! – ein eigenes Kräutersalz zusammen zu sammeln – mit Salz aus Hall, versteht sich. Für die Zeit danach.

Ich gehe weiter in meinem Genusstempo, der Karwendelwald ist ein ganz anderer, als der Wettersteinwald von gestern, irgendwie uriger, saftiger, verwunschener, er raunt mir geheimnisvolle Geschichten zu und ich lausche ihm nur gar zu gern.

Immer tiefer führt der Weg hinein, die Isar schlängelt sich noch unter mir im Tal und hinter jeder Biegung, hinter jedem Bergrücken eröffnet sich ein neues Bild. Die Wucht des Bergmassivs wird schroffer, kantiger, wirklich dramatischer. Und irgendwann führt der ansteigende Weg ans Wasser. Hallo Isar, du wunderschöne.

Im ersten größeren Kiesbett stehen schon unzählige von den „stoanane Manderln“ und ich stelle noch einen dazu. Balanciere mit jedem Stein ein inneres Thema, das ich gerne abschließen möchte. Und der Turm steht.

Viele Fahrradfahrer brausen an mir vorbei, es ist aber auch ein schöner Tages-Ausflug hier zu den Isar-Quellen. Ich weiß nicht mehr, wie viel Jahre es her ist, dass ich zum ersten Mal von diesem Weg gehört habe und in mir die tiefe Sehnsucht erweckt hat, genau diesem Fluss, dieser zutiefst weiblichen Wasserkraft bis zum Anfang zu folgen. Jetzt ist es endlich soweit. Ich gehe tatsächlich zum Ursprung, zur Quelle, in diesem Fall Plural: zu den Quellen. Auf der Karte kann ich wieder genau ablesen, wie meine heutige Strecke verläuft:

Kurz bevor ich ins eigentliche Quellgebiet komme, braust eine etwa 20 köpfige Radler-Ptruppe vorbei. Als letzten ein Mann mit gelber Warnweste, er dreht sich leicht entschuldigend zu mir um und meint, er sei der Letzte, wie sich rausstellt, der Gruppenleiter.

Als ich dann am eingezäunten Quellgebiet eintreffe lehnen da 20 Fahrräder und überall sitzen und schwatzen die Radelnden, also jetzt Pausierenden. Fehlt nur noch, dass der Gruppenleiter Mary-Poppins-mäßig aus seiner Fahrradtasche ein Büffet mit Apfelkuchen und Kaffe, Sekt und Heizdecken zaubert.

Und Schwups – brausen sie alle wieder dem Tale zu, es geht noch bis Kaufbeuren für sie – wahrscheinlich mit Regen. Das ist mein Stichwort. Der Wetterbericht ist schlecht am Mittag und ich weiß, dass die anstrengende, weil steile Strecke erst nach den Quellen beginnt.

Nach der nächsten Anhöhe wird es absolut unwirklich: Steinwüste – so wird es im Wanderführer beschrieben, und genau so sieht es aus. Unwirtlich, brutal, steinig:

Und nach der nächsten Biegung, mit der nächsten Steigung setzt die wunderschöne Vegetation wieder ein, faszinierend. Das ist der Abschnitt, in dem der „München-Venedig“-Wanderweg auf meinen trifft. Prompt werden es mehr Wanderer. Schnelle Wanderer, stramm steigende Wanderer, die – wie ich später oben auf der Hütte erfahre – heute eine schwere Strecke auf ihrer Langstrecke hatten.

Und es wird steil, arg steil. Forstweg, also geschottert, aber echt steil. Irgendwann bin ich von einer stillen Kurve verschluckt, da braust plötzlich ein Motorrad, Geländemaschine, mit vogelwuidem Fahrer an mir vorbei. Jesses, was stinkt dieses Pfeiferl böse.

Ich schleppe mich also zunehmend schnaufend bergan und schau schon immer wieder besorgt zum Himmel, was die zunehmend über den Kamm quellenden Wolken wohl vorhaben. Es beruhigt mich, dass eine Gruppe von vier jüngeren Männern in ganz ähnlichem Tempo schnauft und läuft.

Es ist aber einfach zu schön. Irgendwann bin ich doch tatsächlich oben. Der überholt, überholende Wandersmann – Simon, wie ich jetzt erfahre – ist schon da, welch Wunder. Sitzt auf der belebten Terrasse, um ihn herum ein buntes Gemisch von Bergliebhabern und solchen die es werden: Da ist die 7-Mädels-Gruppe aus Freiburg, zwei Militär-Jungs, die französisch miteinander sprechen, eine Gruppe aus den Niederlanden und – sehr bemerkenswert: eine Familie mit zwei Buben, 8 und 10 Jahre, die wie fast alle anderen hier auf dem „München-Venediger“- Fernweg unterwegs sind, also gerade von einer wirklich anspruchsvollen Gipfeltour übers Birkar gekommen.

Chapeau ihr zwei Jungs! Chapeau ihr beiden Eltern, dass ihr euren Buben so früh die Berge erleben lasst.

Das Hallangerhaus ist eine DAV-Schutzhütte der Sektion Schwaben, wie passend, ist sehr gut besucht und gebucht. Absolut nachvollziehbar. Zum einen liegt die Hütte am vielbegangenen Fernweg München – Venedig, wohl der meist frequentierte Fernweg, manche nennen ihn „die Autobahn“. Zum anderen ist es eine der schönsten, funktionalsten, derzeit frisch renovierten Hütten, die ich überhaupt besucht habe. Fast alle Betten belegt. Ich habe im 6er-Zimmer mit dem Namen „Ödkar“ ein Stockbett oben mit dem wohl spektakulärsten Blick.

Und schon setzt Regen ein, der sich bald zum waschechten Sturzregen auswächst. Was habe ich für ein Glück und sitze frisch geduscht in der trockenen Stube.

Zum Essen gesellt sich Simon und zwei weitere Wander zu mir an den Tisch, es ist eine lustige Runde: ein Vermessungstechniker aus der Gegend von Limburg, ein ein Mitarbeiter der größten Tiroler Seilbahn Firma und ein Gymnasial-Lehrer an einer katholischen Privatschule, der gern singt. Auf die Frage nach den jeweiligen Berufen und meiner Erklärung fragt er direkt nach meiner Lieblings-Oper und stimmt dann sofort die Arie des Germont aus „Traviata“ an. Danke für den Ohrwurm, lieber Sören.

Irgendwann wird mir der Geräuschpegel in der Stube zu laut. Mit zunehmendem Biergenuss werden die Lachsalven kräftiger.

Ich ziehe mich also ins Lager zurück, plaudere ein bisschen mit der Stockbetten-Nachbarin, einer sehr netten Italienerin, die ebenfalls alleine auf Langstrecke unterwegs ist, eben auch auf dem „München-Venediger“. Für sie heute Tag 2 – ihrer ersten allein-Strecke … Ich weiß, wovon sie spricht und was sie bewegt.

Unter dem Fenster wird viel viel gelacht und getratscht. Ein engagierter Trobadour hat die Gitarre in der Wirtsstube entdeckt und zupft sich durch sein Repertoire. Schöner Soundtrack zu einem Sonnenuntergang de luxe.

Später kommen die drei Holländerinnen aus der unteren Betten-Reihe ins Zimmer und ein köstliches Düftchen zieht bis zu mir ins obere Stockwerk – Haarwaschmittel, Hautcreme? Um kurz vor 22 Uhr – also kurz vor Torschluss – geht noch einmal unsere Türe auf und herein schleicht der eine der beiden Gebirgsjäger/Militär-Soldaten-Jungs noch herein. Dem Hahn im Korb hingen vielleicht zuviel BHs mit Leoparden-Muster zum Trocknen an den Fenster-Rähmen.

Und wieder ist es so: Schlag Zähne auf’d Nacht is a Ruah. Alle halten sich dran.

Ich liebe diese Berge. Karwendel, du hast eine neue Anhängerin.

Etappe 23: Hallanger Haus übers Lafatscher Joch nach Hall in Tirol

Die Nacht war für mich nicht ganz ruhig. Stockbetten-Obergeschosse bekommen mir nicht durchwegs gut. Kurze Attacke von Platzangst. Die verzieht Dank guter Atemtechnik schnell wieder und in mir steigt der Gedanke auf, dass diese Art der Tour, also dieses Lange -alleine-Gehen vielleicht hiermit seine Höhepunkt erreicht hat: In der schönsten Hütte, mit dem schönsten Blick hinunter ins Tal, aus dem ich aufgestiegen bin:

Ein sehr guter Moment, um Revuepassieren zu lassen, woher ich komme – und wohin ich gehen will. Weitere Gedanklereinen verschiebe ich auf Tageslicht-Zeiten.

Um Schlag sechs bin ich wach. Meine italienische Bettnachbarin auch. Wir schälen uns aus unseren Hüttenschlafsäcken, kraxeln die Holzleiter runter und schleichen beide mit Sack und Pack auf dem Zimmer. Jede macht sich in einem ruhigen Eck und in dem noch ruhigen, vorbildlich sauberen und all renovierten Waschraum – mit Dusche! – fertig. Wir begegnen uns draußen auf der Terrasse, um halb sieben ist der Gastraum noch zu. Frühstück von 7 -8 Uhr.

Plötzlich tut es einen Rumpler, der Balkon über mich ächzt, ich frage mich gerade, ob die Kindertruppe oben im 2. Stock kollektiv die Steiltreppe runterrutscht, da fliegt die Hüttentür auf, der Wirt nd seine Frau stechen mit besorgten Blicken raus und sucht mit den Blicken die umliegenden Bergkanten ab – und die sind nah und steil: „Habt’s ihr das bemerkt?“ Wie, Bitteschön, soll man das nicht bemerkt haben können? „Der Berg ist in Bewegung!“

Mich beunruhigt daran, dass es die Wirtsleute Thomas und Magdalena so beunruhigt. In 16 Jahren, die er hier heroben ist, ist das wohl das dritte Mal. So entwickelt sich ein kurzes Gespräch zwischen ihm und mir über Sinn und Zweck dieses „Berg-Besuchens“ – mir fällt Marita aus Balderschwang wieder ein: „Was hab ich in Amerika zu duschen, was habe ich dort verloren?“

Da stellt sich natürlich auch die Frage: Was haben wir Menschen in diesen Bergeshöhen verloren oder zu suchen? Ist es eine achtsame Begegnung mit der Natur? Oder ist es eine Selbstbestätigung, die aus einer „Bezwinger-Motivation“ rührt? Soll es auf Instagram die coolen Gipfel-Fotos geben? Er ist ein freundlicher Mensch, der eine tiefe Ruhe verströmt, hat als Bergretter viele Tragödien am Berg erlebt – wir sind uns auf eine eher stille und wortarme Weise einig, dass das hier heroben ein Geschenk ist.

Zum Frühstück setzte ich mich zur netten Italienerin – jetzt weiß ich, dass sie Bea heißt – auch sie geht den „München – Venediger“, also führt sie der Weg heute nicht nur runter nach Hall, wie mich auch, sondern auf der anderen Seite direkt wieder hoch zur nächsten Hütte. Ich frage mich im Stillen, ob dieses „Ablaufen“ eines gut beschriebenen und hochfrequentierten Weges nicht zu „Absolvierunges-Zwängen“ führt. Aber was weiß denn ich – außer: meine Tour – meine Regeln.

Langsam brechen alle auf, es ist halb acht. Auf dem Weg zum Trockenraum, in dem meine Stiefel über Nacht eben dem Trocknen hingestellt waren, treffe ich Sören, den beherzten Sänger. Er ist schon fix und fertig und amWeg und kredenzt mit mit Mozarts Damen-Trio aus der Zauberflöte einen nächsten anhaltenden Ohrwurm: „Leb wohl, wie wollen geh’n. Leb wohl, leb wohl, auf Wiedersehen“. danke Sören.

Ich komme nicht so schnell weg, fotografiere die Mädelsgruppe zur Abschiedserinnerung, bedanke mich ausdrücklich beim Hütten-Wirtspaar, tausche mich mit einer meiner Zimmernachbarinnen aus, wie schwer es wohl wird, wennwir dannalle wider unten, in unsere profanen Alltags-Leben steigen dürfen. Ich sage: „zurück in die reale Welt“. Sie schaut sich um und sagt: „Das hier ist die reale Welt.“ Wie recht sich hat, sehr sehr tröstlich.

Und dann will ich mich noch von Simon verabschieden und der ist just genau so weit im Aufbruch., also geht es ein paar Schritte zusammen. Er ist schneller im Tempo, hat heute auch seine „München-Venedig“-Etappe vor sich, merkt aber bald, dass es mir im steilen Geröll nicht so ganz entspannt gut geht. Er sagt nichts. Ich merke nur, dass er alle paar Kurven stehen bleibt und schaut, wo ich bin.

Ich brauche natürlich ein bisschen länger, muss die Gämsen an beiden Hangseiten bewundern und das Auerhahnpaar, das aus den Latschen auffliegt. Meine Pflanze des Tages wird der Enzian – ich glaube das hier ist sogar der Fransen-Enzian, das freut die Franzi:

Bin wohl die einzige, die das alles entdeckt und bewundert, die andern sind halt schneller am Weg.

Und dann sind wir also alle oben auf dem Lafatscher Joch. AUF dem Joch, wie erhebend. Die Seele atmet weit übers vernebelte Inntal. Was für eine Belohnung, was für ein Geschenk. Es wird eifrig und gegenseitig fotografiert.

Auch die Steinerne.

Simon betrachtet die Fast-Nackerte, die nur einen Himalaya-Fähnchen-Schal um die Hüften trägt und sagt: „Wär sonst ja auch zu kalt“.

Und dann verabschieden wir uns. Ach, ist das schön am Berg. Diesmal ganz besonders. Danke Thomas Lehner vom Hallangerhaus, Simon, Sören, Bea und für die friedliche Vielfalt und das wertvolle Miteinander – ja, das ist die reale Welt, wie wir sie – jede und jeder einzelne von uns – Tag für Tag neu erschaffen können.

Bald bin ich wieder allein am Weg, die anderen strömen dem Tale zu und direkt auf zu nächsten Gipfel. Ich genieße die spektakuläre Aussicht und bin auch ziemlich beeindruckt von den steilen Abbrüchen, Feskanten und tiefen Schotterbahnen. Da rauscht es plötzlich in der Ferne und eine ordentliche Ladung Geröll saust staubend hinunter – mir stockt kurz der Atem, ich denke an den Fels-Ruckler von heute früh. Ja, der Berg ist in Bewegung. Die ganze Welt ist in Unruhe. Wie schaffe ich es da, zentriert zu bleiben und bei allem und dennoch friedlich und in Ruhe zu bleiben?

Das gibt ein neues Lied, das ich nun den gesamten, langen, steilen, zum Teil zähen doch unglaublich schönen Abstieg aus mir heraus entstehen lasse. Eine Melodie fliegt daher, ein Gedanke formt sich in schöne Worte und dann ist es so, wie es im englischen oder französischen heißt: „by heart“ oder „par Coeur“ – bis ich unten bin, kann ich es auswendig, außerhalb meiner Herzenswände und Lungenflügel in die schöne Bergwelt hinaus singen.

Aber davor gilt es noch so Manches zu bestaunen: Die Herrenhäuser, beziehungsweise, das, was von ihnen heute noch übrig ist. Ein Denkmal vom Salzberg-bau, der ab jetzt hier den gesamten Landstrich prägt. Salz, bedeutet Hall. Die Stadt des Salzes, die ab dem 13. Jahrhundert hier das Geschehen und einen Wohlstand geprägt hat. Und eben meinen Urahn Kunibert den Schorppe einstens bewogen hat, hier sein Glück zu suchen, nachdem er seinen Weinberg in Tyrol bei Meran verkauft hat (der Depp, hihi – Danke Simon).

„Glück auf“ und „Die heilige Barbara“ sind einem Menschen, der im Ruhrgebiet lebt , natürlich vertraut. Bemerkenswerte Verbindung zwischen diesen Welten, wie sie für mich gerade kaum unterschiedlicher sein könnten.

Irgendwann öffnet sich das Hallertal und gibt den Blick frei ins Inntal. Mir ruckelt es irgendwo tief im Gebälk und mir stellt sich die Frage: Will ich denn wirklich zurück? Zurück in diese Zivilisation? ich kann diese Frage bis jetzt nicht klar und eindeutig beantworten.

Es folgen jetzt noch mühsame Kilometer über Asphalt durch Absams bis hinunter nach Hall. Das macht aber nichts. Irgendwann bin ich da und werde vom Guten Gatten samt Wohnmobil in Empfang genommen.

Die Geschenke, die Erkenntnisse, die Erlebnisse und Erfahrungen dieser letzten Tage – genau genommen seitdem ich vom Außenferner aus auf die Zugspitze zu gegangen bin – die haben etwas in mir verändert. Ich bin froh darüber. Auch darüber, dass wir hier in Hall morgen einen Pausentag einlegen werden. Ein besonders heißer Tag soll es werden, was ein Glück, dass wir direkt beim Schwimmbad stehen. Schwimmen – Wasser, darüber werden sich meine Muskeln morgen sicher freuen, ich auch.

Resümee am Pausentag

Wieder bin ich kurz vor sechs wach. Und heute drehe ich mich genüßlich noch einmal um. Heute bleibt der Rucksack am Boden. Herrliches Trödeln in den Tag mit erste Kaffee.

Dann gibt es die ersehnte Freibad-Runde ab 9 Uhr, direkt zur Öffnung des Bades, um den heute zu erwartenden Menschenmassen zuvor zu kommen. Es ist Sonntag, heißester Tag der Woche – wer will da keine Abkühlung im Freibad suchen?

Von Muskelkater dankenswerter Weise verschont, räume ich heute meine Sachen auf, wasche, schreibe, sortiere Fotos und Gedanken und bereite die Etappen des kommenden und wahrscheinlich letzten Abschnitts vor.

Ich gebe es zu, mich macht der Gedanke, dass dies nun „schon“ der letzte Abschnitt werden wird etwas sentimental. Nicht, weil ich ewig nur noch bergauf und bergab gehen möchte, sondern Vielmahr, dass ich seit ein paar tagen das gefühl habe, dass dies die dritte und wahrscheinlich letzte Tour dieser Art für mich gewesen sein wird. Alles hat seine Zeit.

Da fallen mir viele Gespräche mit bekannten und unbekannteren Menschen ein, die irgendwann festgestellt haben, dass es für eine bestimmte Idee, einen bestimmten Weg, eine bestimmte Unternehmung irgendwann unmerklich und dann doch unwiederbringlich zu spät war, sei es die Besteigung der Zugspitze, die Überquerung der Alpen, was auch immer …

Ich bin alle wichtigen Wege gegangen, habe alle Lieder gesungen, alle Geschichten erzählt. Was jetzt kommt ist dankbar angenommenes Bonus-Material. Da sind der Thomas Lehner vom Hallanger Haus und ich uns einig.

Nach Abklingen der größten Mittags-Hitze gibt es einen Besuch in der wunderschöne Altstadt von Hall, Österreichs älteste Altstadt, wie sie sich rühmt. Bezaubernd. Sofort stellt sich italienisches Urlaubs-gefühl ein, Wahnsinn.

In der schönen großen Nikolaus-Kirche ist gerade der Gottesdienst zu Ende. Der Küster verweist mich mit meinem Stempel-Wunsch direkt an den Herrn Pfarrer.

Und so kommt es, dass ich zur Krönung dieses ohnehin schon herrlichen Tages mit Herrn Pfarrer Jakob Patsch durch den zauberhaften Pfarrer-Garten spazieren darf, um im ehrwürdigen Nikolaus-Zimmer einen schönen Stempel in mein Heftle zu bekommen.

Und zwei Äpfel darf sich die wandernde Teilzeit-Eva auf dem Weg auch noch auflesen. Herrje! Was will ich eigentlich mehr?

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