FranScorpia Abschnitt 6: Über den Brenner nach Dorf Tirol/Meran

PRÄAMBEL: Hier folgen nun weiterhin Tag für Tag die Etappen-Beschreibungen dieses Abschnitts inklusive Pausentag. Recht roh und im ersten Wurf, mehr Feinschliff ist nach einem langen und heißen Wandertag nicht drin. Ich benutze keine KI, weder für Korrektur, noch für sonst etwas, aus Überzeugung. Am Pausentag gibt es dann eine Politur des gesamten Abschnitts. Finale Korrektur folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Etappe 24: Igls – Matrei / Steinach / Trins

Irgendwie hat der Aufbruch von Hall heute morgen länger gedauert als gedacht und geplant und so kam es, dass ich erst um 10 Uhr in Igls an der schönen Kirche auf den Jakobsweg gegangen bin.

Da war es schon ganz gut warm – und das wurde über den Tag noch mehr.

Ich habe von eifrigen Lesern schon den Tipp bekommen, morgens doch früh zu gehen und nach einer feinen Siesta dann in den Abend noch mal ein Stück. das ist für mich nicht praktikabel. Früh am morgen und ab frühen Abend gehe ich nicht alleine durch Wälder – ratet warum. Also nehme ich lieber die Tageshitze in kauf und weiß mich auf menschenbelebteren Wegen sicherer unterwegs. meine Tour – meine Regeln – meine Schweißausbrüche.

Trotz und WEGEN allem habe ich diese Tour sehr genossen: seit ab auf erst stilleren Wegen das Wipptal hinauf. Erst geht es halbhohe an saftigen Maisfeldern entlang. Der Blick ist wundervoll. Es duftet überall würzig und gut, nach dem Starkregen der letzten Nacht. Mal sieht man die scheußliche Brenner-Autobahn dann verschluckt mich der Wald wieder für ein Stück und führt über abgelegene Weiden zurück auf den Asphalt.

Da bleibt der Jakobsweg dann beharrlich drauf – auf dem Asphalt. Und es ist nicht nur der Jakobsweg heute, es ist auch die Via Romea, also der alte Römerweg. Irre, wenn ich mir vorstelle, dass Hannibal hier seinerzeit mit den Elefanten durchkam.

Es wird warm und wärmer. Und nur weil es so schön klingt, nehme ich noch eine Extra-Steigung hoch nach St. peter, dass dann überraschend unspektakuläre und vor allem mit einer leider verschlossenen Kirche aufwartet. Ich rede mir gerade gut zu, dass alles und alle Wege immer für irgendetwas gut sind, aus wenn man es nicht direkt kapiert, da komme ich in der nächsten Ortschaft an einer wirklich abenteuerlichen Werkstatt / Zeige-Raum / Installations / Geisterbahn eines Schnitzers, eines Lanvenschnitzers vorbei.

Grausige Krampus-Masken neben milden Madonnen, dazwischen allerhand Trödel – sensationell. ich entdecke zwischen all dem eine kleine Relief-Geier-Wally. Eine Geier-Wally liegt hier und hat auf mich gewartet. ich weiß es genau.

Seit vielen Jahren fasziniert mit die Person der realen Roman-Vorlage, die Tiroler Malerin Anna Knittel aus dem Lechtal und ihre Geschichte, die doch so viel mehr ist, also der kitschige Heimatfilm gleichen Titels. Ich glaube, ich werde dazu einmal ein Programm basteln – aber jetzt möchte ich erst mal diese Schnitzerei mit nach Hause nehmen – was tun? Der Herr Larvenschnitzer Norbert Danner ist leider nicht vor Ort aber ich finde eine Telefonnummer im Schaufenster.

Muss mich dann um 13 Uhr, also in der Mittagszeit ordentlich überreden, einfach anzurufen. Und der Herr Danner hebt direkt ab und ein wunderbares Gespräch nimmt seinen Lauf. Er beglückwünscht mich mehrfach: dass ich angerufen habe, dass ich mich für die Geierwally interessiere, dass ich auf Langstrecke bin, und überhaupt. ich habe nicht mehr viel Geld in meinem kleinen Wanderportemonaie, habe versäumt, am Morgen wieder „nachzulegen“. So kommt er mir preislich sehr entgegen, ich lege meine letzten beiden Scheine in seinen Briefkasten, wie abgesprochen und nehme mir dafür die Geierwally aus dem Gruselkabinett.

Lustig: bei der „franzi geht dann heim“-Tour 2023 habe ich mir bei einem Schnitzer in Oberammergau eine bildschöne und sehr filigrane Madonnenfigur gekauft und jetzt diese handfeste, irdische Geierwally.

Bin selig und gehe mit blendender Laune weiter. Sinniere noch darüber, warum mich die starke und eigenwillige Persönlichkeit so anspricht, da komme ich an einer kleinen Kapelle vorbei, gehe hinein – wie immer – singe und bewundere das Altarbild. Ein besonderes Format, ein besonderes Motiv:

Hier sind die „Drei Madel“ zentral abgebildet, also die Margarete, die Katharina und die Barbara, die in der Tradition gut als die ins Christentum überlieferten Adaptionen der alten dreifachen Göttin interpretiert werden können. Diese drei jetzt so prominent bewundern zu können – mit meiner Geierwally im Rucksack – sagt mir eindeutig, dass jetzt die Zeit der starken Frauen anbricht – anbrechen muss.

Was die Jungs in den letzten paar tausend Jahren mit ihren patriarchalen Ansprüchen und Vorstellungen alles verbockt haben, müssen wir hier nicht diskutieren.

An der nächsten Ecke warten schon die nächsten Jungs – aber sehr nette. Die von der Straßenreinigung. Hier hast der gestrige Sturzregen das Wasser so über die Ufer sprudeln lassen, dass die komplette Fahrstrecke – ich berichtete von meinem Asphalt-Hatsch – dass die Fahrbahn also gründlich gereinigt werden muss. Mit viel Wasser wird da gespült – wir genießen den erfrischenden Sprüh-Spaß.

Und danach beginnt sich der Weg in der Hitze wirklich zu ziehen. Ich überlege, mit dem Bus abzukürzen, muss aber feststellen, dass ich mir dank Geierwally kein Busticket mehr leisten kann. ja , man muss Prioritäten setzen. Hab ich, kann ich.

Im nächsten Ort möchte ich mich im Gemeindezentrum erkundigen, wo der nächste Bankautomat ist und wie weit es dahin dauert. An der verschlossenen Tür darf ich feststellen, dass das Gemeindebüro hier zugunsten eines Bestattungsunternehmens weg rationalisiert wurde. Schade. Ich sehe aber eine junge Frau hinter der Scheibe, klopfe und sie öffnet mir.

Ich erzähle meine Geschichte vom fehlenden geld für die Buskatrte und frage nach der Bank. Muss wohl ziemlich hitzegeprägt ausgesehen haben. Sie ist voll Mitgefühl und erklärt mir den Weg, bietet mir ein glas Wasser an. da kommt mir spontan die Idee, hier wenigstens nach einem Stempel für mein hafte zu bitten – eine Bestatter – das ist doch genau das richtige. da muss sie ihren Chef erst mal fragen. Ein fischgesichtiger Bestattungsinstitut-Jung-Unternehmer versucht da vergeblich, weil zu spät, sein Gipsbein hinter einem wuchtigen Schreibtisch zu verbergen. ich zücke mein Heftle, erkläre mich und mein Begehr.

Da antwortet er unumwunden: „Nein. Das mach ich nicht. Der Stempel ist nur für Aufträge und Kunden.“ Ich bin perplex. Die junge Mitarbeiterin versucht die angespannte Situation aufzulösen und mir zu erklären dass der Stempel eh viel zu breit wäre für mein hefte – wahrscheinlich so breit wie der Schreibtisch-Gipsfuß. Ich packe mein Heftle wieder weg, sortiere mein sonnengedörrtes Hirn und frage höflich nach, ob er mir genauer erklären könne, welche Gefahren drohten, wenn er mir so einen Bestatterstempel in mein selbstgebasteltes Erinnerungs-Heftle stempelte.

Da schaut er mich an und sagt fischeskühl:“ Mit so einem Stempel können Betrügereien gemacht werden.“

Aha. jetzt bin ich also wieder so weit: jetzt sehe ich im Schweiße meines Jakob-Asphalt-Abenteuers also so schluderig aus. Vielleicht ist es auch der Burschen frisch gepflücktes Beifuß-Kraut, der an meinem Stab baumelt, oder aber die wilden Schätze, die meine Hut-Krempe zieren – in jedem Fall sehe ich also so aus, als würde ich mit einem Tiroler Bergdorf-Bestatter-Stempel das Böse diese Welt anzetteln können. So ist vielleicht die Mentalität mancher Menschen, die in einer Gemeinde mit dem Namen Ellbögen leben. Meine ist es nicht.

Ebenfalls fischeskühl lasse ich ihn zum Abschied unmißverständlich wissen, was ich von ihm und seiner Entscheidung halte. Gehe raus in die Glut zurück auf den Asphalt und heule kurz.

Ich erinnere mich, dass mich bei der letzten Tour von 2023 die Bäckersfrau aus Weil der Stadt ähnlich erwischt hat. Es geht also wieder um Vorurteile und voreiliges Urteilen. Ja, da braucht es starke Frauen, die entschieden und von einer unerschütterlichen Mitmenschlichkeit geleitet einfach weitermachen. Weitergehen, einfach nicht aufhören.

Und ich gehe. Gehe bis Matrei zur beschriebenen Bank. Zücke mein kleines Portemonnaie und kaufe mir mit der Plastikkarte frisches Geld. Jawoll; und mit diesem Geld kauft sich die Geierfranzi dann ein Busticket zu meiner Finaldestination des heutigen Tages: Trins Galtschein, ich komme.

Etappe 25: Trins – Gries – Brennerpass

Das war eine gute Route heute. Äußerlich, wie innerlich. Bilder wollen gerade wieder nicht hochladen – kommen später.

Nachdem ich gestern doch sehr viel Sonne und Strecke hatte, habe ich heute morgen beschlossen, gepflegt zu „cheaten“, ich habe für die ersten Kilometer also mit Bus und Bahn für Vereinfachung bei vollem Vergnüge gesorgt.

Bin am Morgen also in Triens im schönen Gschnitztal, Seitental vom Wipptal, zur Bushaltestelle gespurtet – und alle Jungkälber von den Weide galoppierten mit, es war eine helle Freude.

Dann kam der Bus, ich löse ein Ticket, will mich hinsetzen, das strahlt mich eine Frau an und sagt: „Gell, Sie san Hirtin?!“ Ich hätte so gerne JA! gesagt. Das war das schönste Kompliment, das ich für diesen Tag hätte bekommen können.

So bin ich dann quasi „alm-geadelt“ in Steinach eingefahren und wollte so gern in einem feschen Café meinen Strecken- Verkürzungs-Plan feiern, es wird nämlich nach morgendlichen Wolken schon wieder ganz schon warm.

Irgendwie komme ich nicht recht zurecht in Steinach, ein schönes Café ist zu, die Brennerstraße ist voll und mir wird es schnell zuviel, also beschließe ich, direkt mit dem Zug weiter nach Gries zu fahren, dort meinen Kaffee zu trinken und dann zum Brennerpass hoch zu gehen.

Der Bahnhof von Gries liegt hoch über dem Ort und bietet einen ersten Ausblick auf was mich heute erwartet. Zuerst heißt es aber: Runter nach Gries. ich will als erstes in die Kirche – hoffe auf ein Jakobs-Stempel für mein Heftle. Auf dem Weg komme ich mit drei Frauen ins Gespräch. Wir klären heiter die „K“-Reihenfolge: Erst Kirche, dann Kaffee. Und das wird in Gries nicht so einfach. Kirche ist offen, tolle Akustik, leider kein Stempel.

Das einzig verbliebene Sport-Café hat heute Ruhetag. Mir bleibt also ein pittoreske vollgestopfter Spar-Supermarkt, hier bekomme ich hinten an der Wursttheke einen Automaten-Kaffee.

Ich bin ja aber auch nicht zum Spaß hier! Heute ist der Brenner-Pass dran. ich habe in den vergangenen Tagen öfter daran gedacht, dass dieser Pass schon mehr, als nur einen geografischen Kipp-Punkt für mich und meine Tour bedeutet. Es haben sich viele Themen und Sorgen der letzten Wochen doch gut geklärt, ich bin innerlich friedlich und kann ohne Jammer dem Ende der Tour entgegensehen. Da ist etwas überschritten, da wird heute noch etwas überschritten.

Ich denke ans Integrieren und, wie schon früher erwähnt: „allmählich den Sack zumachen“. Wie passend, dass oben am Brennerpass der Eisack-Wasserfall auf mich wartet …

Zuvor gilt es aber den Wanderweg zu nehmen, der hier – wie bereits gestern – über weite Strecken die alte Brennerstraße, also die Auto-Bundesstraße ist. Das wird bei zunehmenden, parallelen Autobahn-Baustellen-Verengungen teils recht eng – und ich bleibe „fröhlich“, wie die Brücke.

Fast versteckt hinter einem riesigen Baustellen-Ausfahrts-Kuddelmuddel steht, von Bäumen sanft verdeckt die Lueg-kappelle, die ich so gern besichtigen möchte. Ich weiß, dass sie besonders sein muss, weiß auch, dass dieser Ort doch sehr geschichtsträchtig ist, was die Tiroler Freiheitskämpfe angeht. In der Auffahrt zur Kapelle drücke ich mich an einem feist mittendrin geparkten Fahrzeug vorbei und bemerke erst da, dass sowohl im Wagen, als auch daneben auf der Bank zwei Männer vom Militär in voller Montur sitzen, hoppala!

Die Kapelle ist leider geschlossen, ich laufe einmal drum herum und im Gehen spreche ich den auf der Bank sitzenden Militär-Mann, von wegen leider geschlossen und so weiter und schon sind wir in ein ausdauerndes Gespräch vertieft. Er bestärkt in seinen Erklärungen, dass es sich hier um einen zentralen Ort Tirols handelt, was deutlich spürbar mit einem starken National-Bewusstsein und einer Art Heimat-Stolz verbunden ist. Selbstverständlich ist Deutschland hier nicht unbedingt geliebtes Nachbarland, aber so können wir uns beide durch unsere jeweils eigene Sicht auf die jeweiligen Themen nähern.

Wirklich spannend finde ich den Grund des Einsatzes der beiden Männer: es geht hier darum, Flüchtlinge, die über Italien kommen, abzufangen. Und laut Aussage sind das derzeit immer noch täglich mehrere, die hier entlang kommen.

Kurz zur Orientierung: Rechts unter dem vierten Kran von links liegt die Kapelle

Ich erzähle von meiner Reise, ernte Anerkennung auch für meinen Alleingängerinnen-Mut. Wolf und Bär kommen wieder ins Gespräch. Mein Gesprächspartner meint aber vielmehr die Spezies Mensch. Nennt sie das grausamste Raubtier. Danke, den Gedanken hatte ich auch schon.

Ich bespreche mit ihm, der auch Bergführer ist, meine geplante Route, möchte nämlich hinter dem Brenners hergehen, der Weg ist in der Karte nur nicht richtig klar erkennbar eingezeichnet. Und zum Glück kann er mir genauere Details dazu sagen und empfiehlt dringend, diesen weit schöneren Weg zu wählen, auch wenn derzeit eine gewisse Gefahr durch Steinschlag besteht. Seit dem Ruckler am Hallangerhaus, der ja ein offizielles Erdbeben in Hall benannt ist, lässt das Thema nicht locker: der Berg bewegt sich. Permafrost geht sich zurück, das wird eher mehr werden in der Zukunft.

Wir verabschieden uns. Ich soll auf das schöne Bank-Platzerl hinten am See achten, da könnt man eine gute Pause einlegen. Ein gemeinsames Foto gibt es leider keines, aber das darf so ein Militärmann halt nicht. Klar, kann ich verstehen.

Im Weitergehen denkt die Hirten-Franzi viel über das eben Gesagte, Ausgetauschte, Erfahrene. Grenze. Hier kommt eine Landesgrenze. Mit allem Erwünschten und Unerwünschten. Und wieder geht es ums Brückenbauen und Wegeweben. Wir müssen reden miteinander.

Die Bundesstraße wirde wieder schmal und erneut geht es eher versteckt seitab durch eine Baustellen-Zufahrt auf jenen besagten „Hinter dem See“-Weg. Wunderschön. Plötzlich wieder mitten in der stillen Waldesruh und dann öffnet sich der Blick plötzlich auf den Brennersee. Eine Idylle, wie man sie sich auf der Brenner-Autobahn dahindonnernd nicht vorstellen kann. Blesshühner- und Frösche-Paradies. Die Bank samt Ausblick ist wirklich einladend.

Hier fließt die Sill malerisch in den Brenners und dann weiter ins Tal, vorbei an der anderen Bank, an der ich heute Vormittag den Spar-Kaffee genossen habe.

Der ungenau auf meiner Karte eingezeichnete Weg führt mich jetzt weiter, und da er bisher ja richtig und militärisch bestätigt war, stapfe ich ohne Zögern weiter, wieder auch Asphalt an der Leitplanke. Und ich bin ein paar wenige Meter vor der Stelle, an der ich den „richtigen“ weg wieder vermute, das werde ich von einem blauen Fahrzeug und zwei Mitarbeitern der Autobahn-Polizei – ebenfalls mit vollem Besteck, angehalten und gefragt, wo ich eigentlich hinwill.

Ich erzähle vom schlecht eingetragenen Weg, erscheine alsbald wohl wenig verdächtig und schon gleich gar nicht flüchtig und so erklären sie mir freundlich, dass es jetzt keine gute Idee ist, weiter auf die Autobahn zu spazieren, sondern einen anderen Weg zu wählen.

Wahnsinn, habe ich also innerhalb kurzer Zeit gleich zwei „Ordnung-Hüter“- Begegnungen erleben dürfen. Der Tag ist spannend, der Weg zum Pass, also für mich langsam zurück in die Gesellschaftsordnungs-Realität.

An der letzten Kurve sehe ich erneut das rote „Tirol“-Plakat, das mir zum ersten Mal im Tannheimer Tal begegnet ist. Jetzt verlasse ich Tirol bald wieder – und ich hatte eine ganz besonders gute Zeit hier, danke.

Dann bin ich auch schon da. Am Brennerpass. Was für ein eigenartiger Ort. Grenze, Wechsel, Tor nach Italien, leichter Anhauchen des Windigen, in mehrerlei Hinsicht. Hannibal war mit seinen Elefanten hier.

Goethe mit bemerkenswerten Eindrücken, Kennst du das Land wo die Zitronen blühen? Heute blüht hier etwas anderes. Dominant prägend das Outlet-Center. Betongewordene Scheußlichkeit. Konsum-Zwinger. Natur- und Blick-Verschandler. Mensch, was brauchst und baust du immer noch mehr Mist?

Mit wirklich seliger Genugtuung passiere ich die Brenner-Pass-Markierung. Zweiunterschiedliche Radler-Gruppen stehen auch da. Drei Mädels und drei Jungs, jeweils auf dem Weg von München an den Gardasee. Wir fotografieren und alle fröhlich gegenseitig und tauschen Ziel und Start und Routen-Details aus.

Meine wahrscheinlich bald letzten Schritte für diesen heutigen Tag, der zum Glück wirklich deutlich weniger anstrengend geworden ist, als der gestrige – trotz allen Uniformen, diese wohl letzten Schritte für heute führen mich zum Eisack-Wasserfall.

Isarco auf italienisch, Isarch auf laddinisch. Ich glaube ich werde mich dieser wunderbaren Sprache, Zeuge längst vergangener Tage einmal mehr widmen, irgendwann.

Jetzt genieße ich meine geschaffte Strecke. Besuche noch alle Kirchen und Kapellen hier heroben, merkwürdig verletztes Transit-Gebiet. Das kleinste und scheinbar unbedeutendste Gotteshaus lässt mich noch ein paar alte und ausgetretene Stufe hochgehen, um dann ein hölzernes, an sich leeren Raum zu betreten. An der natürlich vom Felsen vorgegebenen Wand ist eine Madonnenfigur eingelassen, man dachte wohl ein bisschen an Lourdes. Auf dem schlichten Altar liegen scheinbar wahllos ein paar Dankes-Geschenke. Leider habe ich versäumt, diesen seltsam profanen und damit besonders faszinierenden Ort zu fotografieren.

Auf dem Altar liegt ein uraltes Buch. ich schlage es auf und bin eigentlich nur von der Überschrift angezogen.

Habe meine Brille nicht parat. Werde ich also später nachlesen.

Damit entsteht eine neue Idee. Der Heilige Franz. Da ist er wieder. Natürlich. Ich habe ihn eigentlich immer mit mir. Und hier, genau hier macht das alles gerade Sinn. Die Idee will in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten ausreifen und ich werde berichten. Danke Franz, für die Erinnerung.

Etappe 26: Brennerpass – Gossensaß – Sterzing

Was habe ich mich heute morgen mit der Einschätzung vertan, dass Bella Italia hier wohl (noch) nicht ganz so Bella ist. 500 Meter weiter sah die Chose nämlich schon ganz anders aus. ich denke, das war die Tour mit den größten Positiven Überraschungen! Jucheirassa!

Außerdem bin ich freundlich aber bestimmt von einem aufmerksamen Leser darauf hingewiesen worden, das dass hier Südtirol ist – und nicht Italien. Ja, diese Reise bedeutet für mich auch manche Erweiterung meiner Geschichte- und Menschheit-Kenntnisse, meinem Verständnis von Grenzen und Aus- sowie Einschluss-Denken.

Zurück zum Weg des Tages: Direkt zu Beginn muss hier klar gestellt werden: auf der Südtiroler Seite ist die Strecke sowohl für Fahrradfahrer als auch für Fußgänger vorbildlich geführt ist. Im Gegensatz zum Tiroler Aufstieg gestern gab es kein Stück direkt auf der Bundesstraße zu hatschen – womit ich eigentlich gerechnet hatte.

Immer wieder stelle ich fest, dass ich die Tourenplanung nicht komplett ausarbeite und ausfeile, dass ich mir vor allem die 3. Dimension, also Steigung und Gefälle nicht genau anschaue, leichtfertig könnte man das nennen. Rückblickend kann sagen: Zum Glück. Manche Tour wäre ich vielleicht gar nicht gegangen, wenn ich im Vorfeld gewusst hätte, was genau auf mich zu kommt. UND – es hätte weniger dieser schönen Überraschungen, wie heute gegeben.

Ich laufe also los, schön auf dem separierten Fahrrad-Fußweg. passiere an einer Stelle eine Arte Fels-Enge und sehe die eingebauten Militär-Scharten, die eins als Felswand getarnt waren und heute zum Teil offen stehen.

Da gib es nichts daherzureden: Ach, das haben die so vorbereitet, als sie es mal brauchen … NIX. Diese Scharten wurden in den vergangenen Kriegen genau dafür benutzt. Da wurde vertreidigt, angegriffen, geschossen und gestorben. Bedrückend.

Bald komme ich an Brenner Bad vorbei. Eine hübsche Kapelle steht am Weg, der ich mich nur durch etwas umwegiges Überqueren der geschützten Autostraße nähern kann. Leider ist sie geschlossen. Nur eine Infotafel berichtet vom Glanz der Kurbäderzeit hier um 1900. Etwas dahinter liegt versteckt im hohen Busch- und Baumwerk das Gebäude, das wohl bis zu letzt das dazugehörende Hotel war, nun offenkundig schon länger leer steht.

Natürlich bin ich neugierig und möchte wissen, wie es da so ausschaut. Da ich aber nicht weiß, wer dort derzeit vielleicht gerade Unterschlupf oder sonst etwas sucht, erinnere ich mich kurz an das gestrige Gespräch mit dem Militärmann an der Kapelle Lueg und beschließe sicherheitshalber zur Straße zurück zu kehren.

Weiter unten im Tal zeugen große Quell-Wasser-Abfüllfabriken von der heutigen Nutzung des gesunden Zacharias-Wassers.

Irgendwann geht mein Fußweg weiter rechts von der Bundesstraße ab, führt weit hinein über grüne Wiesen ins immer breiter werdende Tal hinein. Es dauert eine ganze Weile, bis ich kapiere, dass wir nun auf der alten Bahntrasse vom Brenner nach Gossensaß unterweg sind. Eine wunderschöne Strecke oberhalb des Tales an der Bergwand entlang. Irgendwann kommen sogar zwei Tunnels.

Der Anblick eines verlassenen und ziemlich runtergekommenen Bahnwärterhäuschens rührt mich irgendwie sehr. Mit weißem Stift steht hier – wahrscheinlich vom letzten Bahnwärter notiert: Letzter Einsatz am …… 1999.

Etwas später kommt ein weiteres dieser Bahnwärter-Gebäude, diesmal aber schick renoviert zum Gartenlokal umfunktioniert. Wunderbar. Blick ins Tal – natürlich ist der Blick immer wieder geprägt von Autobahn und neuer Zugestrecke und anderen Beförderung-Routen.

Mein Wanderweg führt jetzt recht steil über eine Weide hinunter zu einem schönen Gehöft, man kann schon auf den Kirchturm von Gossensaß schauen und dann kommt ein märchenhafter Abstieg, nur für Fußgänger, zwischen zwei Weiden, auf einem von uralten Mauern nach unten versetzten Weg. Ich schaue mit der Nase also auf Wiesenhöhe. Über mir beugen sich die Holunderbüsche. Es ist kühl und schattig hier im Souterrain, zauberhaft.

Dann führt der Weg nach Gossensaß. Ich erfahre bald, dass Henrik Ibsen hier einen Sommer verbracht hat. Goethe am Brennen, Ibsen also hier. Und dann geht ich quasi hinterrücks von den Weiden kommend zuerst zur Kirche. Drei Männer, offensichtlich irgendwie Kirchen-engagiert kommen mir an der langen Treppe entgegen und verweisen mich mit meinem Stempel-Wunsch an die Dame, die oben in der Kirche gerade noch aufräumt. Wir unterhalten uns kurz, sie zeigt mir vom erhabenen Kirchenvorplatz aus, wo da unten im Dorf die Touristen-Information für meinen Stempel ist.

Ich gehe hinein und singe. merke irgendwann, dass sie mir leise zu zweit gefolgt sind. Nach drei Liedern wieder allein verlasse ich die Kirche und schlendere durch diesen hübschen Ort hinunter zum Rathaus und zum Tourist-Büro.

Hier bekomme ich von einer sehr freundlichen und beherzt engagierten Gossensaßerin nicht nur den Stempel, sondern einen netten und interessanten Austausch zur Geschichte von Gossensaß und der Brennergemeinde.

Hier wird mir noch einmal auf eine ganz neue Weise bewusst, wie dieses Land Tirol/Südtirol geteilt ist und welche gemeinsame Geschichte sie teilen. Zum Beispiel das Wappen, das sich auf den Bergbau hier bezieht. Nicht umsonst gibt es die Barbara-Kapelle hier. Die nette Mitarbeiterin schenkt mir prompt einen etwas veralteten aber schönen Reiseführer zum Gebiet hier. Der ebenfalls etwas veraltete Wanderfranz freut sich mächtig und geht weiter.

Jetzt hat sich die Wander-App überlegt, mich doch nochmal recht hoch in die Waldhänge zu schicken. Toller Blick auf die gegenüberliegende Autobahn. Wieder sehr einsam im Wald, hier ist niemand unterwegs und der Weg bricht zum Teil steil und tief hinunter. Hatte ich heute morgen nicht mit gerechnet. Also packe ich mein Glöckchen wieder aus, singe lauthals Lieder, damit sich der potentielle Bär rechtzeitig verdröseln kann.

Es macht mir keine Angst mehr. Sehr gut. Diese drei Tage Brenner haben noch einmal entscheidend etwas verändert. Darüber und dazu werde ich zu einem anderen Zeitpunkt schreiben.

Irgendwo geht es hinunter Richtung Sterzing und Roßkopf-Seilbahn. Das wohl abenteuerlichste, niedrigste und steilste Tunnel führt mich unter den Bahngleisen durch. An den Seiten sind sogar Rap-Schnur-Geländer, damit man sich im feuchten Halbdunkel nicht direkt hinlegt.

An der Roßkopfbahn werde ich vom Guten Gatten erwartet und wir beschließen kurzerhand, uns diesen Weg nochmal von oben anzuschauen. Sehr erhebendes kurzes Intermezzo mit wirklich formidablem Blick, sowohl zurück Richtung Brenner, als auch Richtung Bozen, also ins Weite Tal, dahinter bis in die Dolomiten. Das schöne Angebot mit der „Wunschglocke“ wird von mir freudig genutzt. Ich läute also beherzt meinen Herzenswunsch weit hinaus in die Täler.

Wieder im warmen „Erdgeschoß“ unten angekommen steht für mich jetzt noch der Weg durchs schöne, historische Sterzing an. Die komplette Fußgängerzone wird also durchquert. Letzte Stempel für den hier endenden Jakobsweg kommen ist Heftle und ich spüre einmal mehr, dass der Weg nun langsam zu Ende geht. Dass DIESER Weg nun langsam zu Ende geht.

Was für ein Geschenk. Mein Körper hat es bisher alles mitgemacht, mein Seelchen auch. Und der Franzhase auch.

Brenner adieu. Ab morgen geht es auf die letzten drei Etappen nach Tirol oberhalb von Meran. Wollen wir doch mal sehen, was meine Waden zum Jaufenpass sagen – ich werde berichten.

Etappe 27: Sterzing – Jaufenpass

Ich gebe es zu, ich bin heute morgen aufgebrochen, mit einem halben Joker in der Tasche. Sollte ich wegen Hitze oder knapp 1200 Höhenmeter Steigung irgendwie den Spaß verlieren, dann könnte ich auf dieser Strecke mit dem Bus abkürzen – so habe ich mir das im Vorfeld freundlich genehmigt.

Ich hatte mir auch gedacht, dass die gewählte Strecke aus persönlichem Sicherheitsbedürfnis nicht weit hinaus in Wälder und Höhen verläuft, sondern lieber nahe der Auto-Pass-Straße – in Kauf nehmend, dass es vielleicht nicht ganz so malerisch, dafür aber um so sonnig ausgesetzter wird. Tant pis, meine Tour – meine Regeln.

Die erste Kapelle am Weg war eine wenig romantische, eher Autobahnkapelle. Und ich war so perplex über den hölzernen Segens-Spender sowie die unzähligen Gedenk-Bildchen verblichener LKW-Fahrer, dass ich das Singen direkt sein gelassen habe.

Überraschend schnell war ich aus diesem Industrie-Gebiet heraußen. Ein letztes Mal die wild braune Eisack gegrüßt und dann ging es grün und ländlich ins Hinterland, dem Jaufenpass zu. An der Ecke stand zum Glück noch einen Kapelle und hier konnte ich dann im Angesicht einer hübschen Cäcilie frei trällern.

Straße überquert und schwups – hat mich der Wald verschluckt. Angenehm kühl. Ein bezaubernder alter Hohlweg, über weite Strecken an beiden Seiten gemauert, erzählt mir förmlich von so allerhand, was sich hier wohl zugetragen hat. Es ist quasi die Diretissima hinauf zum Jaufenpass. Schon Andreas Hofer ist hier gewandelt. Ab und zu öffnet sich der Wald, ich gehe entlang an Weiden und komme vereinzelt an Bauernhöfen vorbei.

Heute wird gemäht. Es ist Mitte August, hier an den steilen Hängen ist das für die Bauern mühsam. Einer kommt mir mit seinem Balkenmäher entgegen, pausiert und erkundigt sich interessiert, woher ich komme und wohin ich gehe. „Ah, ganz nauf a’fn Pass? Sehr gut.“ Gespräch beendet – Wandersegen erhalten. Freufranz geht weiter.

In zwei Tagen, also am 15.8. ist vielerorten Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt.

Ich habe mir überlegt, heute mit dem Sammeln und Binden eines Kräuter-Buschens zu beginnen und den dann diese letzten drei tage, diese letzten drei Etappen bis Dorf Tirol zu ergänzen, bis ich dann an meinem Ziel angekommen bin. Wie gerne pflücke ich die mir besonders lieben und speziell über diese Wanderung noch lieber gewordenen Pflanzen und trage sie sorgsam den ganzen Weg mit mir.

Ab und zu kreuzt mein Märchen-Weg die Autostraße. Zum Beispiel am Sporthotel. Was für eine sonderbare Erscheinung. Sporthotel. Hier liegen Menschen in Badesachen auf Sonnenliegen, können Tenis spielen oder ins Hallenbad gehen … kaum etwas liegt mir persönlich derzeit ferner.

Dahinter liegt der ehemalige Gasthof Jägerheim, soll der Hofer sogar eine wichtige Versammlung abgehalten haben. Heute leider nicht mehr in betrieb und irgendwie schmerzt dieser leere, zurück- und verlassene Ort. Die Geschichte – zum Teil leidvoll und wüst – atmet man hier förmlich ein.

Mit mir persönlich und genau heute meint es der Weg aber mehr als gut. Ich bleibe fast durchwegs im schattigen Wald und finde sogar die ersten Pfifferlinge meines Lebens.

Golden schimmern sie da zwischen Blaubeeren und Waldboden, ich könnte fast heulen, so schön ist das hier. Und es geht stets recht steil nach oben. Auf einer kleinen Lichtung begegne ich einer älteren Frau, die Preiselbeeren sammelt und mir die daneben gedeihenden Waldhimbeeren anbietet. Ein schöner kleiner Wortwechsel folgt, weiterer beschwingender Reisesegen.

Ich gehe bewusst langsam, nicht nur, weil es steil bergauf geht, sondern weil ich dies Etappe besonders genießen möchte. Heidelbeeren, Himbeeren, Preiselbeeren, die Heide, also die wilde Erika blüht schon. Alles hat bereits einen leicht herbstlich aber golden schönen Schimmer.

Irgendwann erreiche ich langsam die Baumgrenze, der Tannenhäher krächzt, und ich trete aus den letzten Tannenheraus und es eröffnet sich mir der Blick zurück in die Alpen und in der anderen Richtung in die Dolomiten. Ja, wem springt denn da nicht bald das Herz aus der Brust vor Freude und Dankbarkeit?

Ich weiß nicht genau, wie oft ich heute stehen geblieben bin und aus tiefster Seele geseufzt habe, wie dankbar ich bin, dass ich das erleben darf, dass ich das gehen darf und kann, dass ich diese Schönheit genießen darf. Wieder taucht der Gedanke auf, dass es mir nur folgerichtig erscheint, dem eigenen Tun mehr klare Bedeutung beimessen und zukommen lassen zu wollen. Warum gehe ich hier hoch? Weil ich Fragen habe, zu denen ich mir genau hier, in dieser für mich besonderen und erhebenden Bergwelt, Antworten verspreche.

Und ich werde so was von belohnt. Eine Idee nimmt immer klarere Form an – ich werde berichten. Es ist einfach nur schön.

Bald bin ich gänzlich über der Baumgrenze, sehe schon die sommerlich stillgelegten Ski-Anlagen. Zum Thema „Ski-Fahren“ in den Bergen werde ich noch gesondert schreiben. Es ist eine Schande, was der Mensch da die Natur verschandelt und verletzt, um irgendwelche Horden mit Brettern unter den Füßen hier herauszubefördern. Diese ganze Ski-Aprés-Ski-Heiti-Teiti-Luxus-Kacke gehört eingestellt. Besinnt euch doch bitte. Soviel für heute dazu.

Gestern habe ich am Rosskopf vor Sterzing – den ich von hieraus jenseits des weiten Tales erahnen kann – die Wunschglocke geläutet, auf dass die Wünsche weit ins Tal hinein wehen. Jetzt möchte ich gerne lauthals zurück juchzen, dass ich es soweit geschafft habe.

Dann gibt es noch eine kleine Franzhasen-Herausforderung: Auf der Weide hüpfen nicht nur gut gelaunte Kälber herum, die Mutterkühe schauen aufmerksam und dann hebt ein Bulle den Kopf und schaut ganz genau.

OK, ich muss kein bisschen auf dem Weg bleiben, auf dem ihr euch gerade alle versammelt. Ich weite nochmal mit vorletzten Kraft die Lungenflügel und steige direkt nach oben, wen kümmerst. Jenseits des Elektro-Zaunes geht es sich deutlich entspannter.

Und dann bin ich oben. 2094 Meter über dem Meeresspiegel.

Da steht sie, die Wandersfrau und lässt sich von Motorrädern, Autos, und dem öffentlichen, nicht genutzten Bus umbrausen. An der frisch und neu gebauten Edelweißhütte stehen ein paar Nonnen mit wehendem Schleier und ich habe meinen Kräuterbuschen in der Hand und zwei Hände voll Pfifferlinge im Rucksack. Noch Fragen?

Etappe 28: Jaufenpass – St Leonhard im Passeier

Was für ein besonderer und besonders schöner Ort, dieser Jaufenpass. Wie lange habe ich schon keinen solchen Sternenhimmel gesehen. In die Milchstraße konnte man mindestens 5-geschossig hineinschauen und von Sternschnuppen muss ich hier nichts erzählen. Außerdem ist es hier heroben nachts schön kühl mit 12 Grad – dieses Gefühl des leichten Frösteln gilt es tief in der Erinnerung abzuspeichern und bei Tag dann im Bedarfsfall abzurufen. Und es wird heiß heute.

Ich habe tatsächlich, wie jeden Morgen, eine Art Lampenfieber vor dem Aufbruch, und heute ist es sogar ein bisschen mehr. Vielleicht zeigt sich jetzt, auf der Zielgeraden, dass es dann auch mal gut ist, sehr gut sogar.

Ich mag nicht mehr durch Kühlenden steigen, auf denen ein Stier sein Revier verteidigt, will nicht mehr nach Wildschweinspuren Ausschau halten, mag keine Wolfs-Warnschilder mehr sehen und in den Nachrichten keine Bärsichtungen mehr nachlesen. Will nicht wegen Gewitterwarnung schneller dem Tagesziel entgegenlaufen und auch keine einsamen leerstehenden Häuser mehr meiden, will jetzt demnächst vielleicht einfach ein paar Tage Ruhe haben und am gleichen Ort aufwachen.

Den Bus zu nehmen war aber keine Option, denn ich spüre genau, dass es für mich und meine Fragen, meine Themen jetzt genau wichtig ist, alle Wege vollends zu gehen und keinen Schritt auszulassen oder gar zu überspringen.

Und so wird das heute anspruchsvoll. Mit 12 angegebenen Kilometern gar nicht so wild, aber 1500 Höhenmeter, steil, zack runter. Da der gestrige Weg so eine schöne Überraschung war, rede ich mir zu Beginn gut zu und singe lauthals meine Lieder, als ich die erste Kuh-Herde passiere, ohne Stier.

Und dann lässt die schöne Überraschung nicht lange auf sich warten. Tatsächlich führt der Weg ziemlich senkrecht hinunter nach St. Leonhard und so begegne ich, wenn überhaupt nur zu jeder 2. Kehre der Autostraße. Die Anbindung an die Leute – und wenn es nur ihre knatternden Motoren-Geräusche sind – ist mir lieber, als das allein sein.

Wunderschön geht es durch den Wald und immer wieder an einzelnen abgelegenen Höfen vorbei. Ich bewundere die Menschen, die da in sengender Hitze am Steilhang das hohe Gras mähen und mit dem Laubbläser hinuntermussten. Was für ein Knochenjob.

Irgendwann komm ich am schönsten Haus der gesamten Tour vorbei. Ein wilder, üppig bunter kleiner Bauerngarte davor mit einem grandiosen Mix aus Erbsen, Bohnen, Kartoffeln, Stockrosen, Levkojen, Sonnenblumen und so viel mehr. Dazwischen ein älteres Weiblein mit silbernem Haarknoten. Ich bleib am Zaun stehen und bewundere die Pracht, komme mit ihr ins Gespräch. Das ist das schönste an der Tour: immer wieder diese persönlichen herzigen Gespräche.

Sie erzählt von der Arbeit und auch davon, dass es jetzt eben mühsamer ist, als früher. Vor allem wenn im Winter hier heroben lange Schnee und Eis herrscht. Dann kann sie ihr Haus nicht mehr verlassen. Sie fragt nchmeinem Weg und rät mir, Tagebuch zu schreiben, dass ich die schönen Erinnerungen mit mittragen kann. Das mach so gern liebes Weiblein.

Im Weitergehen denke ich darüber nach, dass das Land die Menschen prägt. Hier ist es extrem: steil, im Winter kalt, eher harsch und die Berge sind hoch. Das macht was mit den Menschen. Der nette Kellner gestern Abend, der auch Jäger ist, hat mir nicht nur die Bären-Angst genommen: Bären gibt es hier eigentlich keine, Wölfe halt ab und zu – Danke. Er hat aber auch erzählt, wenn man hier aufwächst, dann ist man es halt von Kindesbeinen an gewohnt, die hohen Berge rauf zu kraxeln.

Wenn ich die Menschen also verstehen will, muss ich mir nicht nur anschauen, wo und wie sie leben, ich sollte mich in diesem Lebensraum eben auch bewegen, die selben Wege versuchen zu gehen, um ein Gefühl für die Beschaffenheit, die Anforderungen und die Gewöhnung zu bekommen. Vielleicht ist das so, wie mit dem Cowboy, der sagt: du musst mindestens 10 tagen in meinen Stiefeln gegangen sein, um zu verstehen, wie ich ticke … oder so ähnlich. Gut – ich würde es jetzt niemandem mehr empfehlen, 10 Tag in meinen Stiefeln zu gehen, denn die sind nach fast 30 Tagen ensuite dringend pflege- und pause-bedürftig. Ihre Trägerin übrigens auch.

Der Blick, de sich mir immer wieder eröffnet, ist sensationell, auf der einen Seite in die Schneebedeckten Berge und auf der anderen Seite gen Meran, in den Süden. Morgen bin ich da. Immer wieder geht es abenteuerlich steil durch Hohlwege zwischen Feldern, an hohen Kluften auf Ehrich schmalen Pfaden entlang und manchmal ist zumGlück ein Seil gespannt, um Steigung oder Gefälle irgendwie zu schaffen.

Ich ertappe mich bei demGedanken, dass in Deutschland so ein Weg NIE als öffentlicher Wanderrundgang durchgehen würde. Hier in Südtirol schon. oder ist es Italien? Wer ist hier auf wen warum nicht gut zu sprechen? Es liegt da oft so etwas in der Luft.

Heute liegt in der Luft ein unbedingt köstlicher Duft von frisch gemähten Almenwieden, das Süßgras verströmt fast ein wenig Heiligkeit. Dann spuckt mich der Wald mal wieder fast senkrecht hinunter auf die nächste Autostraßen-Kehre, an der ein Gasthof steht. Da erkenne ich, dass es genau der Gasthof ist, in dem ich vor sieben Jahren auf meiner E5-Alpen-Überquerung übernachtet habe.

Erinnerungen kommen hoch. Damals bin ich vom Timmelsjoch abgestiegen, also aus der anderen Richtung kommend. Ich gehe an den gleichen Orten und bin doch nicht mehr die Gleiche. Und auch das ist gut so.

Langsam wird die Hitze wirklich mühsam. ich kann und will exakt KEINEN weiteren Umweg mehr machen, um an irgendeinen Stempel oder in irgendeine Kirche zu kommen. Das hat Zeit bis morgen.

Ich will jetzt nur noch eine Dusche, einen möglichst kühlen dunklen Raum und ausruhen. Damit ich zum Finale morgen gut ausgeruht antreten kann. Was für eine Tour, was für ein Wetter, was für eine schöne Welt.

Etappe 29: St Leonhard – Dorf Tirol

Ich gebe zu, ich war heute morgen doch ein wenig sentimental, das letzte Mal meine Trinkflaschen zu füllen, das Vesper zu richten – ein besonders gutes, mit der halben Pizza von gestern Abend und meine Zöpfe zu flechten, um zur letzten Etappe dieser Tour aufzubrechen. Ich hatte mit vorgenommen, dieses Finale zu Mariä Himmelfahrt, also zur Kräuterweihe zu schaffen. Mir scheint und schien dies ein gutes Zusammenkommen von mehreren Aspekten dieser Tour.

Jetzt hat das tatsächlich geklappt. In weiterer weiser Vorausschau habe ich bereits vor zwei Tagen begonnen, meine wichtigsten Kraut-Begleiter für den diesjährigen Buschen zu sammeln. Weise deshalb, denn hier unten im Tal blüht fast nichts mehr. Die Erde ist verbrannt. Selbst im saftig schönen Südtirol ist es heuer arg gedörrt.

Mit der letzten Tasse Kaffee vor dem Aufbruch setze ich mich nach draußen. Hier packen gerade die hessischen Radler-Jungs ihre Sachen zum Auchbruch. Auch sie haben heute ihre letzte Etappe. Wenn ich die Gespräche recht verfolge, geht es hier viel mehr um Best-Zeiten, Höhenmeter und Schmerz-Bewältigung. Jedem und jeder das seine. Nett sind sie, wir kommen kurz ins Gespräch.

Dann breche ich auf. Erstes Ziel ist die Touristen-Information für einen Stempel und dann die Leonhards-Kirche, die ich vor dem Gottesdienst zur Kräuterweihe gerne besuchen möchte. Die Glocken läuten schon ein erstes Mal. Die Tore sind geöffnet, die Blumensträuße stehen bereit und es ist zum Glück noch niemand da, bis auf den Küsters, den ich erst nach meinem Singen entdecke.

Was für ein passender und würdevoller Einstieg ins mein große FranScorpia-Finale.

Der Weg führtdirekt an den Passeier. der diesem Tal den Namen gibt. Es ist ein Radweg und vorbildlich ausgebaut – für Radfahrer. Für eine Geherin wie mich, werden die 20 Kilometer Schotter oder Asphalt etwas anstrengend, zumal es heute wieder deutlich über 30 Grad hat. Egal, froh trage ich meinen Kräuterbuschen, der doc noch mit dem einen oder anderen Kräutlein ergänzt wurde dem sanft absteigenden Tale gen Meran zu.

Ich passiere das Andreas Hofer-Museum, also den ehemaligen Sand-Wirt. Hier war ich ebenfalls vor 7 Jahren während meiner Alpenüberquerung auf dem E5. Es ist ein schönes Gefühl, hier durch irgendwie vertrautes Terrain zu gehen. Auch wenn für den E5 nun demnächst der Abzweig links hinauf zum Harzer kommt, was für mich damals eine der herausforderndsten Etappen war. Körperlich und seelisch. Damals habe ich schon angefangen, mir ein Medizinlied, ein Hilfsmittel-Mantra zu basteln und zu singen, um die mächtigen und schroff ausgesetzten, schier endlosen Stein-Stufen hinauf zu schaffen.

So schaue ich heute im Weitergehen auf eine wirklich beachtliche Lieder-Sammlung, die im Laufe der letzten 5 Wochen entstanden ist. Ja – 5 Wochen bin ich jetzt unterwegs. Etwas mehr als eine komplette Mondphase und einem Neumond zum nächsten. In der Zeit der ersten Ernte. Das fügt sich schon alles sehr, sehr gut. Und wenn ich mir jetzt recht überlege, wie ich damals, vor 7 Jährende Tour gemeistert habe, auch wie ich vor drei Jahren die „franzi geht dann heim“-Tour geschafft habe so kann ich jetzt mit Freude bilanzieren, dass ich körperlich fitter durch gekommen bin, also im Schnitt mehr Kilometer in anspruchsvollem Terrain bei satten Temperaturen geschaffte habe.

Außerdem habe ich dieses Mal alle Fahrpläne meiner zeitweiligen Unterstützer, wie Seilbahn, Schiff und Bus, richtig gelesen. War selbst überrascht, immer zur rechten Zeit da zu sein und anzukommen.

Das Tal wird weiter.

Ich bücke mich ab und an im Gehen und halte Ausschau nach Kräutern, die noch in meinen Buschen wollen, da traue ich meinen Augen kaum: Neben unserem einheimischen Beifuß wächst da im frisch für den Radweg aufgeschütteten Schotterbett der Einjährige Beifuß – Artemisia Annua – eine Heilpflanze, die fast etwas zu dolle in den vergangenen Jahren in die Premium-League aufgestiegen ist, da sie, wissenschaftlich untersucht und bewiesen, aber auch wirklich tolle Erfolge bei Virus-Erkrankungen zu verzeichnen hat.

Und genau diese zart gefiederte, köstlich duftende Artemisia Annua säumt hier – zu meiner persönlichen Kräuterweihe meine Weg. Ich fasse das als segensreiche Botschaft auf und pflücke gern. Das wird der schönte und kraftvollste Buschen aller Zeiten!

Das Tal weitet sich, immer mal wieder wechsle ich die Uferseiten des wilden und schönen Flusses und langsam setzen sie ein, die Felder von Äpfeln unterschiedlicher Sorten, die Weinreben in ordentlichen Reihen. Es blüht hier und da ein Oleander – wenn er denn von Menschenhand gegossen wird dieser Tage.

Dies ist diese besondere Schönheit Südtirols: Schroffe steile Berghänge direkt an fast schon mediterrane Frucht-Prächtigkeit säumend. Ich habe das Gefühl, durch den Garten Eden zu spazieren.

Irgendwann kommt ein gut überdachter und schattig gelegener Rastplatz, den ich wirklich gerne frequentiere. Rucksack runter, Flaschen am Trinkwasserbrunnen frisch aufgefüllt. Die Reste darin hatten fast Tee-Temperatur. Jetzt kommt der Genuss der gestrigen Pizza.

Beim Blick auf die Wander-App muss ich feststellen, dass ich gerade mal etwas mehr, als die Hälfte geschafft habe – huiuiui, das wird noch was heute, zumal sich über dem Hochmuth – ja, so heißt der Berg über Dorf Tirol – also hinterm Hochmuth quellen bizarr geformte und arg dunkle Wolken hoch. Danke, also heute, zum Abschluss, wohl noch mal eine Gewitter-Taufe?

Ich lenke mich und meine Gedanken ab mit der äußerst positiven Bilanz, dass ich mein Regencape diese ganzen 5 Wochen hindurch nur ein einziges Mal im Einsatz hatte. Da wollen wir doch mal sehen, ob Esau einem Zweiten kommt.

Irgendwann ist es da: das Schild, auf de zum ersten Mal „Dorf Tirol“ steht. Ich gebe zu, mein Herz hüpft ein wenig vor Freude. Soll es also wirklich wahr werden, dass ich diese weitere kühne Idee einer Dannheimerin in echt in die Tat umgesetzt, besser umgegangen bin?

Ab jetzt geht es zwar frohen Mutes auf den Endspurt zu, aber der geht noch mal ordentlich bergauf. Ein Wander-Päärchen holt mich ein, wir kommen ins Gespräch, tauschen Tips zu Biergärten und Wanderzielen aus. Duch lichten Wald mit vielen Esskastanien-Bäumen plaudern wir uns immer schön bergauf. Mein Plaudern wird von mehr und mehr Schaffen ausgebremst und so komme ich an den Punkt, ihnen freundlich aber bestimmt den Vorrang zu lassen und mich zu verabschieden.

Genau in dem Moment liegt eine Feder vom Specht vor mir auf dem Weg, es ist die dritte kleine Feder, die ich auf dieser gesamten Wanderung finde. Der Specht klopft also an und sagt: Genau, Dannheimerin, alles richtig gemacht. Lass die beiden fröhlich vorran. Du bist jetzt 5 Wochen unterwegs und musst überhaupt gar niemandem mehr etwas beweisen, schon gar nicht dir selbst. mach mal schön langsam, atme tief und genieße jeden einzelnen dieser letzten Meter.“

Danke Herr Specht, es sind aber noch 3 Kilometer, die ich hier tief durchatmen darf.

Da steht es plötzlich vor mir, das Ortsschild von Tirol, Dorf Tirol. Ehemaliger Sitz der Grafen zu Tirol. Ein geschichtsträchtiger Ort, und für mich Herkunft meiner Ahnenlienie, Ziel meiner Reise. Jessas, ist das schön.

Ich komme an der Ruprechts-Kapelle vorbei und – drei mal raten: singe. Da schaut irgendwann das Wanderpäärchen zur Tür herein. habe ich die irgendwie am Weg also doch wieder überholt? Herr Specht, was ist da geschehen?

Um mich ein bisschen an der Nase herum zu führen, geht der Weg die letzten 2 Kilometer wieder bergab. Segensbühel heißt der Teil Tirols, diese vom letzten Eiszeitgletscher geschliffene Fels-Nase, die hinunter nach Meran zieht.

Ein Segensbühl, wie er schöner für mein Finale nicht sein könnte. Es kam auch kein Gewitter herunter, dafür lädt mich zur Krönung sogar noch ein kleiner Pool zum kühlen Abtauchen ein.

Was für ein Finale, mit zauberschönem Kräuterbuschen, köstlichen Äpfeln, viel Sonne und einem sehr guten Gefühl.

Morgen werde ich – quasi als Etappe 30 – hier in Dorf Tirol auf den Spuren meines Urahn Kunibert durch die Gassen schnuppern und vor allem, Pfarren Ungerer und seinen Gottesdienst in der Pfarr-Kirche besuchen. Hier bin ich ihm vor 2 1/2 Jahren bereits begegnet. Auch das wird eine weitere Schlaufe schließen. Morgen mehr dazu.

Das waren nur SECHS gelaufene Etappen ohne Pause – habe fertig.

Resume / Etappe 30: Dorf Tirol

Von Pausentag und Ende der Lauferei kann heute irgendwie nicht die Reden sein. Wie die letzten Wochen auch, wache ich eben gegen 6 Uhr auf und dann will der Körper in Antriebs-Modus. Heute gibt es also nach dem ersten Kaffee eine kurze Frohlockens-Runde, weil es hier einfach so schön ist. Der Segensbühel setzt quasi noch einen drauf und kredenzt mir herrliches Sieben-Uhr-Glockengeläut von Meran herauf. Darauf brauche ich zur Gemüts-Abkühlung einen ersten kurzen Schwamm im kleinen Pool.

Dann beginne ich, meine gesammelten Schätze der Tour zu sichten und ehe ich es mich versehest es auch schon Zeit, um zum Gottesdienst aufzubrechen. Ich hatte mir ehrlich feste vorgenommen, heute all meine Erkundungstouren, so weit wie möglich mit demBus zu machen. Und dann geschieht, was die letzten 5 Wochen nicht geschehen ist: Ich komme zu knapp, der Bus fährt mir vor der Nase weg.

Na gut, der Körper will je eh noch nicht in Chillo-Millo-Modus verfallen, also werden die 2 Kilometer, die ich gestern finalvisierend bergab gegangen bin, jetzt wieder bergauf geschnauft. Ich komme genau rechtzeitig zum einladenden Kirchengeläut in der Pfarrkirche-Kirche an.

Pfarrer Ungerer hat mich bei der Begegnung vor 2 1/2 Jahren schon beeindruckt. Er ist ein Unikum, hier aufgewachsen und mit dem Land, seinen Leuten, ihren Themen, den Bergen, der natur dieser Gegend so verbunden. Da ist gar kein Zweifel, dass dieser mensch genau am rechten Flecken seinen Platz gefunden hat. Diese heitere Unerschütterlichkeit, diese tiefe Aufrichtigkeit kommt aus jedem Satz, zeitlich in jeder Haltung.

Vom Gottesdienst und seiner Predigt fühle ich mich persönlichst angesprochen, als würde er hier heute morgen noch einmal die Kernthemen meiner vergangenen 5 Wochen durchgehen. Danke. Im Anschluss sprechen wir noch ein wenig. Ich darf ihn ins Pfarrhaus begleiten und bekomme einen Stempel – wahrscheinlich einen der letzten auf dieser allerletzten Seite meines gebastelten Heftles.

Ich erzähle, dass ich noch das Schloss besuchen möchte und bekomme darauf hin von ihm noch wertvolle weitere Tipps. Zum Beispiel, dass ich unbedingt die Kirche St. Peter besuchen soll. Ältestes romanisches Kirchenbauwerk der ganzen Gegend.

Im Blick auf das heute erneut erwartete Gewitter gehe ich also zuerst Richtung St. peter. Richtig, ich gehe. Nachdem ich heute morgen damit angefangen habe, kann ich jetzt auch so weitergehen. Durch Weinhänge und die für diese Gegend typischen, wild ausgewaschenen Steinformationen. Am Hang entlang und erst mal am Schloss vorbei.

Diese kleine Kirche ist wirklich ein Juwel. Ich liebe diese romanische Schlichtheit und Direktheit. Die satten farben und die besonderen Muster. Als würde ich in meine eigene Seelenlandschaft schauen. Regenbogen-Muster und kunstvolle Ornamente. Ich bekomme eine Idee davon, dass im Anfang wohl alle Religionen, jegliche Form von Glauben und Verehrung ähnliche Bilder gefunden hat, egal ob in Peru, im Himalaya oder hier überm Segensbühel.

Eine Friedenskapelle am Segensbühel, das ist eine feine Inspiration, die ich mitnehme und weterwebe.

Über die heutigen Touristen-Begenungen, das nette Paar aus England und meine Erkundungen auf dem Schloss werde ich später weiter schreiben.

Jetzt gilt es langsam und Schritt für Schritt zurück in einen „sesshaften“ Modus zu kommen. Die Hirten-Franz will gerne noch ein den Erlebnissen und Erfahrungen, den Erkenntnissen und Begegnungen spazieren – das kann also alles noch ein wenig dauern …

Danke. Für heile Knie, nette Menschen, tolle Gespräche, leckere Früchte vom Wegesrand.

Vor allem Danke an meinen Guten Gatten, der diese Tour mit dem Wohnmobil begleitet hat, mir damit fast durchwegs die vertraute Bettstatt bereitgestellt hat, mein manchmal leicht geschundenes Nerven- und Seelen-Kostüm ausgehalten hat und mich immer wieder mit einer gehörigen Portion Witz und Humor auf meinen Weg entlassen hat. Das Leben ist schön.

2 Comments
  • Michael Stümpflen
    Posted at 16:46h, 14 August Antworten

    Chapeau Franzi

    • Franzerl
      Posted at 05:24h, 19 August Antworten

      Ich bin auch ganz froh, lieber Herr Stümpflen

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