Zwischenblick Oktober – November 2021

Ja, ich gebe es direkt unumwunden zu: Ich bin spät dran mit meinem Zwischenblick, befinden wir uns doch jetzt schon mitten im November. Mit allem, was so ein anständiger November zu bieten hat: erster Bodenfrost, dichter Nebel und herrliche bunte Laubberge am Waldboden, die man beim Spazierengehen mit den Füßen aufwirbeln kann. Ich tue das wirklich mit großer Freude, bin tief im Herzen halt stets 5 Jahre alt geblieben.

Natur im Rückzug

Jetzt wird es ruhiger draußen (die ätzenden, unsinnigen, nervtötenden, völlig bescheuerten und verachtenswerten Laubbläser ausgenommen!!!). Die Vögel singen kaum noch, nur mein kleiner Zaunkönig hüpft morgens aufgeregt piepsend (und er hat ein unfassbar lautes Organ für seine Tischtennisballgröße) auf meinem Balkon und erinnert mich daran, wie schön es ist, direkt am Morgen mit der Natur Kontakt aufzunehmen. Und sie zieht sich zurück, die Natur, geht langsam in Winterruhe. Das herab segelnde Laub wird am Boden irgendwann wieder zu Humus, die Bäume sammeln ihre Kräfte in den Wurzeln.

Der kleine Igel, der vor ein paar Wochen als arg armer Patient zu uns kam, hat sich nun zufrieden vollgefressen und aufgepäppelt in sein neues und luxuriöses Winterquartier zurück gezogen – ich glaube er träumt von köstlichen Katzenfutterbergen dem nächsten Frühling entgegen.

Ehrlich, zur Zeit denke ich manchmal, wie es wohl wäre, wenn ich mich ebenso von November bis Februar zurückzöge. Gut, ich würde nicht von Katzenfutterbergen träumen wollen, aber in Stille und Rückzug Inspirationen zu empfangen, um daraus neue Programme oder Geschichten fürs neue Jahr entstehen zu lassen, der Gedanke gefällt mir.

Die Fülle im Herbst

Nun muss ich dringend vermerken: es geht nicht darum, dass ich mich nach neuen Inspirationen sehne. Es ist eher so, dass ich die Fülle der vergangenen Wochen noch verarbeiten muss. Da wurde es Oktober und plötzlich kamen gefühlt sämtliche meiner Programme wieder auf den Spielplan: Es gab als legere Opern unsere Carmen, Fideleonore, Barbier von Sevilla, Tosca. Daneben noch Oper & Orgel.

Außerdem war ich auf der Inthega mit meinem Messestand vertreten und habe mit voller Freude und auch etwas Stolz unser niegelnagelneues Jubiläums-Programmheft präsentiert: 15 Opern in 15 Jahren! Ich glaube, ich halte da mein Lebenswerk in den Händen. Wollen Sie es mal sehen? Hier.

Dann habe ich noch zwei mal meine Verbindungen zu Comedy/Kabarett aufleben lassen. Zu Matthias Reuters Premiere in der Zugabe mit einer Schleifmaschine im Duett singen zu dürfen – das war schon ein Erlebnis. Hier zu sehen/hören! Und mit meiner über alles geschätzten Carmela De Feo alias La Signora für die Sisters of Comedy habe ich sehr gern und mit Erfolg die Spendentrommel gerührt. Der Titelsong Nachgelacht zur Show stammt übrigens auch aus meiner Feder. 

Advent, Advent (… der Igel pennt)

Nun naht der Advent – lustige Inhaltsdopplung: advenire = ankommen, wie wir Lateiner klugschusseln. Also kommt die Ankunft demnächst an. Kommt darauf an … über kurz oder lang … kligelingeling die Eisenbahn … so assoziiert es fröhlich in meinem Hirn. Auf meinem Spielplan finden sich ganz im Ernst zwei zauberhafte Advents-Programme: Mariengrüße und Alpenzauber.

 

Da zünd ich mir in heller Vorfreude doch gleich eine Kerze an und bekenne: ich werde heute vielleicht schon die ersten Adventskekse backen. Bärentatzen, eine schwäbische Spezialität mit Schokolade und Mandeln – viel mehr braucht meine Winterseele nicht, um zufrieden zu sein. Was dem Igel sein Katzenfutter, sind mir die Bärentatzen – beide hier angesprochenen Tierarten machen Winterschlaf – ich sollte also doch nochmal über diese Option nachdenken!

In jedem Fall möchte ich, jetzt schon einen kleinen Jahresrückblick wagend, mit einem Gedicht von Rainer Maria Rilke hier und heute zum Ende kommen.

 Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren. Und auf den Fluren lass die Stürme los. 

Also gehen Sie viel spazieren, das ist gut fürs Gemüt – und vergessen Sie dabei das Laubaufwirbeln nicht. Es ist in jedem Fall gesünder, als Laubblasen!

Ihre Franziska Dannheim