Zwischenblick August-September ’21

Mit diesem Zwischenblick bin ich also angekommen – in den Monaten mit „R“. Dass der Herbst kalendarisch schon Einzug gehalten hat war aber auch so zu spüren, Strickjacke und Wollsocken liegen parat. Heute ist es warm, ein prächtiger Sonntag, der seinem Namen alle Ehre macht: Ein wahrer Sonnen-Tag. Ich sitze im Grünen am Teich, die Sonne scheint mir auf die bloßen Füße und gaukelt mir noch einmal etwas Sommer vor. Und es war für mich ein bewegter Sommer mit viele Auftritten und wenig Verschnaufpausen. Das tue ich jetzt – verschnaufen und ruhig schauen: In mich, über mich, und um mich herum liegt schon das gelbe Laub der Hainbuchen. Ich sitze also genau dazwischen und mein Blick wandert: Veränderung zeigt sich. Jetzt wandelt sich die Sommerzeit, die heuer vielerorts garnicht so unbeschwert war, wie es der Sommer verspricht. Er stand, wie ich im letzten Artikel Zwischenblick Juli-August 21 beschrieben habe, doch arg im Zeichen des Wassers. Und nun beginnen sie, die

Monate mit „R“

„R“ – wie rot. So köstlich sind die Tomaten aus eigener Ernte. „R“ – wie Reife. Das Korn ist jetzt fast überall schon geschnitten. Das sogenannte Schnitterfest im August ist vorüber und lädt ein zu überdenken: Was sollte jetzt noch geschnitten werden, weil es nicht mit in den Herbst und schon gar nicht ins kommende Jahr überdauern soll. Gut, die Haare sind bei mir ja schon geschnitten, so geht es nun doch eher weiter im übertragenen Sinne. Ganz sicher nehme ich neben einigen meiner Programme vor allem die Oper légère mit ins nächste Jahr, denn da werden wir 15-jähriges Jubiläum feiern – mit 15 Produktionen! Das fühlt sich für mich schon jetzt sehr nach „Lebenswerk“ an. Ein paar unliebsamen „Krafträubern“ wie unaufgeräumtem Schreibtisch, lästige und ertragslose Aufgaben, das eine oder andere Kilogramm etc., all denen mache ich hingegen gern den Garaus, auch wenn es mühsam wird. „R“- wie rätselhaft. An diesen letzten warmen Sonnentagen ereignet sich alljährlich dieses große, rätselhafte Wunder in meinem Teich im Garten: Das Schlüpfen der Libellen. Die Larve, die in ihrer zweiten Hülle nun ein Jahr durch meinen Teich gepaddelt ist, ihr wird es jetzt zu eng in ihrem Panzer. Sie hat sich mit der übrigen Armada verabredet. Gemeinsam krabbelten sie heute früh wohl am Sumpfdotterstengel entlang aus dem Wasser, trockneten dann in der Morgensonne. Irgendwann – Knack – brach der Panzer zwischen den Schulterblättern.

Wunder der Metamorphose.

Genau an Sigfrieds verwundbarster Stelle, weil das Drachenblut, in dem der Held einst badete, aufgrund eines herabsegelnden Lindenblattes seine Haut nicht gänzlich gegen alle Angriffe hatte imprägnieren können. Auch wieder bezeichnend: Die Linde steht für die Herzqualitäten und genau diese haben den Sigfried also verwundbar gemacht … verwunderlich. Aber zurück zur Libelle! Die erlebt hier nämlich den imposanten Moment der Befreiung, der Selbstermächtigung! Sie zwängt sich aus dem inzwischen getrockneten Panzer, entfaltet ihre kunstvollen Flügel und  erhebt sich majestätisch, schwebt und fliegt davon. Ein berührendes Bild: Dieser papierzarte Korpus haftet noch an den Stängeln, hohle durchsichtige Augenschalen, alles leer und entlebt. Gerne schau ich der Prachtlibelle hinterher: Auf auf zu neuen Ufern, bevor der Herbst wirklich Ernst macht. Viel Zeit bleibt ihr nicht in der

Zeit der Herbstzeitlosen

Die erste Herbstzeitlose habe ich bereits entdeckt. Jene lilafarbene krokus-ähnliche Blume ist klares Zeichen. Ich habe über den Namen dieser besonderen Pflanze schon viel sinniert: HerbstZeitlose. Sie ist eine Zeitlose und in jedem Fall völlig aus der Zeit: Sie blüht im Herbst, fruchtet mitten im Winter tief in der Erde, um dann im Frühjahr ein paar unscheinbare Blätter auszutreiben. Bei aller Zeitlosigkeit ist aber gerade sie, die auch Michaelsblume, oder Lichtblume genannt wird, eine ganz klare Ansage: Nun beginnen die langen Abende, in denen die Frauen früher beim flackernden Licht der Lampe am Spinnrad saßen. Die erste Herbstzeitlose wurde dann zwischen den Händen zerrieben, damit diese beim Spinnen nicht wund wurden.

Ich persönlich kann jetzt schon sagen: freue mich auf den Herbst. Es warten viele schöne Aufgaben. Meine kleine Rosepin gedeiht und immer wenn ich denke: hach, langsam komme ich mit einem Projekt zum Ende, dann macht es: Britzel-britzel und mir fällt etwas Neues ein – herrlich! Ich liebe diese Inspirations-Schübe. Wenn ich ehrlich bin, ist mir der Herbst die liebste Jahreszeit – bin vielleicht selbst so eine Herbstzeitlose … ich werde bis zum nächsten Zwischenblick im Herbst darüber nachdenken.

Noch sind die Tage länger als die Nächte, in denen die Grillen zirpen und die Fledermäuse ihre Runden flattern – wenn sie dabei nur nicht immer auf meine Terrasse kötteln würden …

Nun möchte ich enden mit ein paar lyrischen Zeilen und wünsche allerseits einen schönen Spätsommer,

Ihre Franziska Dannheim

„Eine Art Nachruf

als Versuch

Form zu finden

für längst Verlorenes,

Traumgeborenes.

Begreifen

in Schrift. Da reifen

die Metamorphosen

der Herbstzeitlosen,

die sich den Jahreszeiten widersetzt.

Jetzt

ist Schluss!“

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