Motto 2022: Natur – mein Schlüssel zum Glück

Das Jahr ist wahrlich noch jung. Es ist quasi dabei, wieder Schwung zu holen. Ich merke es an vielen Dingen: Die Sonne scheint ein wenig kräftiger zu scheinen, es kommen die ersten vorsichtigen Konzert-Anfragen rein, und irgendwie räkelt sich dieses Jahr jetzt aus seinen Kissen. So empfinde ich diese besondere Zeit zwischen den Jahren: in Zauber-Watte gepackt, irgendwie aus der Zeit.

Genau das genieße ich so während der Rauhnächte. Ich versuche in diesen zwei Wochen um den Jahreswechsel herum viel in Stille zu verweilen, um das Rauschen des vergangenen Jahres aussurren zu lassen. Zum Jahresende hin wird es meist doch noch einmal richtig turbulent. Außerdem gehe ich in dieser Zeit besonders gerne hinaus in die Natur. Alle Bäume sind ohne Laub und verraten dabei so viel über ihren Charakter, zeigen ihre Stärken. Alles ist irgendwie „bis auf die Knochen“, kein Tand, kein Firlefanz, alles ist jetzt, wie es ist und will betrachtet sein.

Die Zeit zwischen den Jahren

Heuer war es wirklich besonders. Ich habe die vergangen Wochen in meiner Seelenheimat in Oberbayern verbracht und bin zumindest vom Wetter her, quasi einmal durchs ganze Jahresrad gefahren: ich kam an im Schnee, Forstnächte bis Minus 10 Grad. Dann wurde es warm und wärmer. Der Fön-Sturm blies jaulend ums Haus, und alles taute ab. Ich habe vor dem Haus in der Sonne gefrühstückt und geschrieben, im Hemdchen letzte Arbeiten im Garten verrichtet, war auf dem Berg und sogar (relativ) entspannt im See (OK, 5 Grad laden nicht zum Planschen ein, aber 7 Züge raus und 9 wieder rein, das geht – sehr gut).

Eines Morgens stand es vor mir, dieses kleine zarte Schlüsselblümchen. An einer gut geschützten Stelle hat es sich vorwitzig aus er Erde gewagt. An einem 3. Januar im Jahr 2022! Ich bin überzeugt, dieses Schlüsselblümchen hat das nur gemacht um mir etwas mitzuteilen. Man sagt ja auch, es sei der Schlüsselbund der germanischen Göttin Freya, die das neue Jahr aufschließt.

Was soll das bedeuten?

Da knie ich also am Boden, bewundere den gelben Kelch, sinniere über die Fülle, die wohl in ihm steckt und knipse ein winziges Stückchen vom Blatt ab, um es zu kosten. Dieser Geschmack wirkt wie ein kleiner Katapult in meine Kindheit. Ich glaube, ich habe an der Hand meiner Großmutter von wackeligsten Kleinkinderbeinchen an alle essbaren Kräuter und Blumen versuchen dürfen. Bis heute fühle mich diesen Pflanzen so vertraut, fast anverwandt. Es ist ein bisschen wie Heimkommen, wenn ich so einen Pflanzengeschmack wiederkenne. 

Und kurz darauf kam er wieder, der Sturm, rüttelte an den knorrigen Ästen und brachte erneut Schnee. Frau Holle lässt grüßen, die Percht zieht mit ihrer wilden Jagd ein letztes Mal vorbei!

Beim Spaziergang heute morgen lag eine wundervoll gemusterte, kraftvoll geschwungene Bussardfeder an meinem Weg, sanft gebettet auf der strahlend weißen Schneedecke. Wenn ich sie der Hand halte, kann ich die Kraft förmlich spüren, wie es wäre, wenn ich mich mit kräftigem Flügelschlag in die Luft emporschwinge. 

Natur als Schlüssel – wenn alles gut geht – zum Glück

Ja, ich liebe es, mich immer tiefer mit dem Lauf der Jahreszeiten und den althergebrachten Jahresfesten und Traditionen zu verbinden. Ich will mich der Natur mit all ihren Bildern und Zeichen weiter und inniger nähern. Großartige Begleiterin auf diesem Weg ist Iris Wangermann von peace with your past.

Was bin ich froh, mich vor ziemlich genau einem Jahr bei ihr für ein neunmonatiges Programm zu naturbasierter Arbeit angemeldet zu haben! Ganz klar eine meiner sehr guten Entscheidungen der vergangenen Jahre. Der Höhepunkt dieses Programms war ein Aufenthalt im Bayrischen Wald mit Übergangsritual. Hervorragend vorbereitet, vertrauensvoll begleitet und aufmerksam nachbereitet. Iris Wangermann hat mir, nicht nur durch ihr großartiges „Spiegeln“, so manches alte Wissen und neue Blickwinkel eröffnet. Danke! Und der Prozess dauert an. So bin ich froh und zuversichtlich, dass dieser sehr gute Weg gerade erst so richtig losgeht.

Was nehme ich mit ins neue Jahr

Natürlich habe ich, bis auf den Mikro-Knabber, vom Schlüsselblümchen nichts mitgenommen. Es ist ja auch streng geschützt und soll bitte tapfer und wacker in unserem Garten – jetzt wieder unter einer Schneedecke versteckt – gedeihen. Das ist das Stichwort: Gedeihen. Gedeihen sollen sie, all die Beziehungen, die Projekte, die tausendundein Schlüssel-zum-Glück-Blümchen an meinem Weg. Neben angemessener Hege und Pflege bedarf das der Ausgeglichenheit. Nicht zu viel Hitze, nicht zu wenig Wasser, nicht zu viel Einsatz, nicht zu wenig Schlaf …

Und den allerbesten Ausgleich finde ich nun mal in der Natur – mein Schlüssel zum Glück. Hier atme ich, hier komme ich zur Ruhe, hier entstehen die gewagtesten und spannendsten Ideen, hier bekomme ich Antworten, die wie aus tief verborgenen Gründen aufsteigen und in der Seele anklingen.

Vom freien Flug und wilden Glückschweinen

Da muss ich direkt wieder an die Habicht denken, an seine Federn und Schwingen und schließe den Bogen dieser Jahresmotto-Gedanken mit freudigem Schwung und folgender Frage:

Wissen Sie eigentlich, warum man sich zum Jahresbeginn Marzipanschweinchen schenkt? Woher es überhaupt kommt, das so genannte „Glückschwein“? Es ist eine Erinnerung an Gullinbursti, den Eber mit den goldenen Borsten des germanischen Gottes Freyer, Freyas Bruder. Mehr dazu erzählt Wolf-Dieter Storl  hier.

Nach der langen dunklen Jahreszeit, die in ihren tiefsten Nächten fast zum Stillstand gekommen war, ist es nun der starke und unbändige Eber Gullinbursti, der das Jahresrad wieder anschiebt, auf dass es gehörig in Schwung komme!

Jetzt gehe ich raus, die Sonne scheint – Schwein gehabt!

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