18 Juli FranScorpia – Abschnitt 2: Schwarzwald
PRÄAMBEL: Hier folgen nun weiterhin Tag für Tag die Etappen-Beschreibungen dieses Abschnitts inklusive Pausentag. Recht roh und im ersten Wurf, mehr Feinschliff ist nach einem langen und heißen Wandertag nicht drin. Am Pausentag gibt es dann die Politur des gesamten Abschnitts in absteigender Reihenfolge.
Etappe 5: Glatten – bad Rippoldsau, Sonne und viel blauer Himmel, aber auch Regen und Gewitter bei meist 21-25° Grad, 23 km
Was hat das heute morgen um 6 Uhr schön gedampft im Tal. Gewitter und viel Regen haben die Landschaft richtig klar gewaschen. Ich verlasse Jürgen Klopp Geburtsort und freue mich wie ein Kind auf den Besuch bei der Großvatertanne.

Der Weg führt mich durch den Wald immerzu bergauf in Richtung Schöllkopf. Er ist wirklich besonders dieser Schwarzwald. So viele Weißtannen beisammen und dann die Blaubeeren … ich fühle mich – wieder einmal – wie Fränzchen im Blaubeerwald.
Ein ganz besonderer Duft, schwer aromatisch vom Regen der letzten nacht und jeder Atemzug fühlt sich wie eine Inhalation de lux an. Ich atme mich also froh den Berg hinauf. Das mich heute begleitende Wanderzeichen ist eine Hagebutte in der Raute. Dabei wachsen am Wegesrand köstliche Himbeeren. Auch ein Rosengewächs, nebenbei.

Ich sinniere über die Hagebutte als Frucht gewordene Rose. Von der Blüte zur Frucht, so könnte dieser „Initiationsweg“ umschrieben werden. Und natürlich denke ich dann auch an meine geliebte „Rosepin“, und bin so dankbar und froh, dass diese Geschichte jetzt wirklich im Herbst beim Hummelshain Verlag veröffentlicht wird – von der Blüte zur Frucht.
Der Schöllkopf mit seinen ca 840 m über Meeresspiegel ist, denke ich der bisher höchste Punkt der Tour und ich erfahre auf interessant gestalteten Informations-tafeln so einiges zur Großvatertanne und ihren Verwandten, aber auch zur Glashütten-Tration und zum Mittelalterlichen Erz-Abbau hier oben.

Und dann stehe ich plötzlich vor ihr: vor dieser über 300 Jahre alten Weißtanne und bin tief berührt. Neben mir steht ein Mann, ebenfalls in Andacht versunken. Nach tiefem Waldlust-Inhalations-Durchatmen kommen wir ins Gespräch. Er kennt die Tanne schon seit über 50 Jahren, kam füher schon mit seinem Großvater hier herauf.
Heute ist die Tanne zum Wurzel- und damit Lebensschutz eingezäunt, aber er meint, sie sähe schon sauseliger aus seit etwa 15 Jahren. Gut, ich sah vor 15 Jahren auch anders aus, aber ich bin schließlich keine Tanne, schon gleich keine Großmutter-Tanne. Der nette Mann beglückwünscht mich zu meiner Tour und der Tatsache, dass es heute nach dem langen Aufstieg, es jetzt gen Rippoldsau nurmehr bergab geht. Das sagt es so und verabschiedet sich.

Ich bleibe noch ein wenig in wölfischer Begleitung in gebührendem Abstand staunend sitzen, freue mich darauf, dass es ab jetzt lässig nach unten geht und bin fast ein wenig übermütig vor lauter tollem Wetter, bester Luft und Tannenfreude – oh Tannenbaum!
Ich durchmesse also das Schöllkpopf-Gebiet und folge an einer Kreuzung einem hölzernen Schild mit der Aufschrift „Rippoldsauer Weg“, ohne das mit meiner App abzugleichen. Kühn, ich weiß, aber ich will mich ja nicht immer von diesen digitalen Hilfsgeistern abhängig machen. Schild – zack – Franz biegt ab. Fataler Fehler, wie sich bald herausstellt. Denn irgendwie schaffe ich es jetzt, eine Kilometer-lange – ja PLURAL – Umwegsschlaufe zu meinen eh schon knapp 20 Kilometern für den heutigen Tag mitzunehmen. Und das auch noch bei zunehmend schwarzem Himmel und fernem Donnergrollen.

Ich bin kurz davor, die blendende Tannenlaune von eben zu verlieren, reiße mich am Riemen und gehe laut singend weiter. Diese Sing-Therapie von der letzten Etappe übernehme ich dankbar. Komme zwischenzeitlich am Zwieselberg wieder höher hinauf – nämlich auf 840 m über Meeresspiegel und erst an einem Waldarbeiter-Bauwagen vorbei, der mir als Unterschlupf für den gleich erwarteten Unwetter- Schub dienen könnte. Aber Dach aus Blech, Scheiben eingeschlagen – das zieht mein Gemüt noch weiter runter. Da laufe ich lieber Lieder singend weiter.
Komme gut voran, die Donner werden zwar lauter, aber richtig nah krachen sie noch nicht. Höchste Höhe erreicht, ab jetzt geht es auf geplantem Weg steile Forst-Steige nur noch hinunter. Ich komme an einer Baustelle vorbei. Hier steht schon ein immens hoher frischer Beton-Turm im Rohbau und daneben, komplett den schmalen Waldweg verbauend, zwei Riesen-Kränze aus Stahl-Antennen, wahrscheinlich zukünftige Blitzableiter. Und ich denke: na bravo! Wenn ich da jetzt rüberklettere, weiß der Blitz ja genau, wo er hin muss.
Aber es hilft nix. Ich singe noch ein wenig lauter und krabbele drüber. Nix passiert, ich bin aber auch ein „Blitz-Gscheitle“. Ab jetzt regnet es nur ordentlich. Selig ziehe ich mein Regencape über und genieße die freundliche Umarmung dieses besonders duftenden Waldes.

Viele Höhenmeter weiter unten eröffnet sich der Blick auf bad Rippoldsau mit seiner zweitürmigen Wallfahrtskirche und das Schild zeigt mir einen Klösterle-Hof als Ziel an. Klingt sehr gut.
Unten angekommen, statte ich der Kische einen Besuch ab, zünde erste eine und dann zum Dank für überstandene Gewitter-Sorge eine zweite Kerze an. Dann singe ich drei oder vier Marienlieder – wie sich das in einer „Mater Dolorosa“ geziemt.

Wieder draußen knallt die Sonne auf die Treppenstufen, ich breite das Cape zum Trocknen aus und komme erst jetzt dazu, mein Wandervesper zu essen. Herrlich.
Ein junger Mann nähert sich, fragt ohne auf Antwort zu warten, ob er zu mir kommen kann und schiebt direkt die Frage nach, ob ich eigentlich weiß, was er von Beruf werden will? Ich antworte höflich: Nein. Sollte eigentlich schon seine erste Frage betreffen, aber wir sind ja schon weiter.
Er erzählt, dass er gerne Polizist werden will und schnell erschließt sch mir aus dem weiteren bunten Gespräch, dass er es neben TkkG und den Drei Fragezeichen besonders mit Räuber Hotzenplotz und dem Dimpfelmoser hat. Daher also der Polizisten-Wunsch. Und schnurstracks sind wir bei Petrosilius Zwackelmann – den wir beide ja schon lange nicht mehr gesehen haben – so in echt. Kurz sinniert er, ob er nicht doch lieber Zauberer werden sollte und wir einigen uns, dass er es dann aber bitte nur mit der weißen Magie hält, gell?!
Und schon stromert der junge Mann einem nächsten Abenteuer oder Gesprächspartner entgegen, und ich setze mit zum guten Nepomuk an die Brücke.

Irgendwann kommt ein Auto vorbei jemand steigt aus und nimmt den Weg ins Pfarrhaus, das heute eigentlich verschlossen und unbesetzt ist. Ich wittere die Chance auf einen Stempel in mein Heftle und werde herzlich und freundlich belohnt.
Bilanz des Tages: Auch Umwege sind Wege, wenn man Fichten nicht mit Tannen und Äpfel nicht mit Birnen vergleichen sollte. dann schon lieber Blaubeeren mit Himbeeren oder Träuble.
Die Pflanzedes Tages ist die Distel







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